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Herbst.

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Schon am Tag unserer Abreise aus Istanbul machten sich bei Noemi erste Erkaeltungsanzeichen bemerkbar, die sich dann in den naechsten Tagen verstaerkten. Wie uns der Radladen empfohlen hatte, nahmen wir die Faehre von Yenikapı nach Yalova, um dem vielen Verkehr zu entgehen. Wir brachen erst nachmittags von Philipps und Ankes Wohnung auf und beobachteten waehrend der etwa anderthalbstündigen Schiffsfahrt einen schönen Sonnenuntergang. Als wir drüben ankamen war es schon dunkel und wir hofften möglichst bald einen Zeltplatz  finden zu können. Als wir schon etwas ausserhalb der Stadt waren, fragten wir bei einem Haus, ob es in Ordnung waere unser Zelt auf der Wiese daneben aufzubauen. Dort hatten wir jedoch Pech, denn die Frau war nicht so freundlich (wie uns andere Verwandte von ihr spaeter sagten) und meinte wir sollten weiter fahren. Ein Neffe von ihr zeigte uns dann jedoch einen anderen Platz in der Naehe seines eigenen Hauses. Als wir dort unser Zelt fast aufgebaut hatten, kam seine Familie aus dem Haus und bestand darauf, dass wir bei ihnen im Haus schlafen sollten. Sie sagten, dass sie sonst vor Sorge um uns nicht schlafen könnten. Kurze Zeit spaeter sassen wir also im Familienwohnzimmer, wo bestimmt 7 oder 8 Verwandte und Freunde waren und wurden mit Essen versorgt. Als es dann Zeit für uns war zu duschen, schickte die Mutter der Familie alle Maenner (das waren alle ausser ihr und uns) wahrscheinlich aus Diskretionsgründen aus dem Haus. Überrascht, dass wegen uns kurzerhand die ganze Familie vor die Tür in die Kaelte gesetzt wurde, beeilten wir uns mit dem Duschen. Die Mutter bestand spaeter darauf, dass wir in ihrem Bett schliefen, und sie selbst auf dem Boden! Wir wollten das Angebot nicht annehmen, doch wir erklaerten vergebens dass wir gerne auf unseren Isomatten oder einem Sofa schlafen könnten. Am naechsten Morgen standen wir zusammen mit ihr früh auf – sie ging zur Arbeit und wir fuhren weiter.

Die Weiterfahrt war einerseits erkaeltungsbedingt aber auch dadurch beschwerlich, dass wir uns nun in den ‚Türkischen Alpen‘ befanden und es kilometerlang hoch ging. Nach einiger Zeit fasste sich ein vorbeifahrender Autofahrer das Herz, stoppte und lud uns samt Raedern und Gepaeck ins Auto. Durch Teamwork und gut ausgepraegte Tetriskünste gelang es uns am Ende alles in dem kleinen Bus unterzubringen. Durch die kurze Fahrt im Auto gelangten wir um einiges schneller an das Ufer des Iznik-Sees, wo wir uns einen Zeltplatz zwischen den Olivenbaeumen suchten. Zum ersten Mal sahen in unserem Leben sahen wir hier auch Granatapfel- und Kiwibaeume. Von einem vorbeifahrendem Traktor bekamen wir Obst und Gemüse geschenkt. Vor Sonnenuntergang bauten wir das Zelt auf, da es nachts jetzt schon immer ziemlich kühl wird, waehrend es tagsüber meist eine angenehme Temperatur von um die 20 Grad gibt. Im Zelt war uns glücklicherweise nicht kalt. Den naechsten Tag begingen wir langsam, denn bis zu unserem Ziel (Iznik) war es nicht mehr weit. Dort dürfen wir bei Soner und seiner Familie übernachten, die wir über warmshowers – so etwas wie couchsurfing nur für Radfahrer – kontaktiert hatten. Da Soner an diesem Tag selbst eine Radtour um den See unternahm und Pech hatte (er hatte 4einhalb mal (!) einen Platten), begegneten wir ihm bereits unterwegs und konnten ihm sogar das eine Mal mit unserem Werkzeug aushelfen.

Zuhause wurden wir schon von Inci und ihrem Sohn Tibet erwartet. Die drei sind in der Türkei in der Radfahrerwelt berühmt als eine der einzigen (oder sogar einzigste) Familie die grosse Radtouren unternimmt. Die drei waren schon fast in ganz Europa und Russland unterwegs, Inci und Soner sind schonmal von der Türkei nach Nepal gefahren und haben drei Bücher über ihre Abenteuer geschrieben. Sie nahmen uns sehr freundlich auf und eines der ersten Dinge, die sie sagten war, ‚unser Haus ist euer Haus‘. Als Radfahrer können sie sich sehr gut in uns hineinversetzen und klaerten gleich die wichtigsten Sachen: Gepaeck und Raeder kommen hier hin, die Dusche ist oben, wollt ihr die Waschmaschine benutzen? Es war für uns so ein Glück, gerade jetzt so liebe Gastgeber zu haben, wo wir Zeit zum auskurieren dringend nötig hatten. Denn dort angekommen, erwischte die Erkaeltung auch Laura. Nach diesem eher suboptimalen Start unserer Weiterfahrt aus Istanbul, ging uns immer mal wieder unsere Neuseelandidee durch den Kopf. Aber wir wollen es zunaechst noch einmal angehen weiterzufahren.

Wir verbrachten also eine ganze, gemütliche Woche bei den dreien, assen lecker zusammen, gingen am See spazieren oder sassen dort abends, um den Sonnenuntergang anzusehen, machten einen Filmabend und gingen einen Abend zusammen mit Inci und Soner zu einem Event des Rotary-Clubs in Bursa. Dieser sponsort die beiden naemlich und sie waren da, um eine Praesentation über ihre Reisen zu halten. Der Abend fand in einem schicken Hotel statt und es gab dort Abendessen. Es wurde extra für uns übersetzt und als Gaeste des Clubs erhielten wir als Geschenk einen eigenen Pinienbaum, der in der Türkei zur Aufforstung gepflanzt wird. Einigermassen wieder gesund werden wir morgen weiter in Richtung Kappadokien aufbrechen.

Das Haus der Familie bei Yalova, die uns für eine Nacht beherbergt haben.

 

Auf dem Weg von Yalova nach Iznik. 
Iznik See. 
Am Strand mit Tibet, Soner und Inci. 
Nicht so einfach. 
Zusammen mit Soner und Inci in Bursa.
Unser Dolmetscher beim Rotary Club. 
Der Praesident der Rotarier überreichte uns die Urkunden mit den Baeumen, die unsere Namen tragen werden. 

 

 

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