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Nu wordt het pittig, dames.

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An unserem vorletzten Abend in Göreme lernte Laura noch ein Rummikubähnliches Spiel, das hier typischerweise von Männern in vielen Cafes gespielt wird. Am Tag vor unserer Abreise machten wir nur eine kleine Tour mit dem Fahrrad zu einem ganzen Höhlendorf in einem Felsen. Lauras Fuß tat seit der Wanderung mit Muhsin ein wenig weh und so war Noemi am Tag zuvor alleine auf Tälerentseckungstour gewesen. Am Abend zuvor hatten unsere Gastgeber für uns gekocht, also waren wir diesmal dran mit kochen und probierten später Raki, den berühmtesten türkischen Schnaps. Am Morgen unserer Abreise standen wir noch einmal zu Sonnenaufgang auf, um ein zweites Mal den Ballons zuzusehen. Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück, verabschiedeten wir uns noch bei Mustafa und waren dann wieder unterwegs in neue Gebiete und Orte. Kurz bevor wir an diesem Abend stoppten, um einen Zeltplatz zu suchen, hielt ein Auto neben uns und der Fahrer reichte uns Obst und Gemüse. Wenige Minuten später kam er zurück und reichte uns eine Tüte mit Keksen, Wasser und Crackern, die er in der Zwischenzeit in einem Laden besorgt haben muss. Wir haben uns sehr darüber gefreut.

An mehreren Tagen hatten wir im Gegensatz zu dieser Situation einige unangenehme bzw. nervige aber nicht gefährliche Situationen mit jungen Männern, wo z.B. Autos oder Roller oft an uns vorbeifuhren oder uns einige Kilometer folgten. Vielleicht wäre das anders, wenn mindestens einer von uns ein Mann wäre. Da wurde uns nochmal bewusst, wie unterschiedlich Erlebnisse aufgrund des Geschlechts sein können. So waren wir umso dankbarer als wir nach einer solchen Begegnung in ein Dorf kamen, wo sich schon bald zusätzlich zu der älteren Frau und ihrem Enkel, die wir nach einem Ort zum Zelten gefragt hatten, mehrere zur Hilfe gerufene oder zufällig passierende Nachbarn und Dorfbewohner versammelten, um zu versuchen uns einen Schlafplatz zu organisieren. Das war gar nicht so einfach, da wir uns kaum verständigen konnten. Da war die Erleichterung bei allen Umstehenden groß, als schließlich ein Auto neben uns anhielt und es sich herausstellte, dass die Familie im Auto Englisch sprechen konnte. Einige Momente später stellten wir fest, dass sie nicht nur Englisch, sondern Niederländisch sprachen und es eine niederländisch-türkische Familie war, die eigentlich in Hilversum wohnte. Spontan luden sie uns ein, die Nacht einfach bei ihnen im nächsten Dorf zu verbringen. So lieb und spontan von ihnen und vor allem eine so schön und angenehm vertraut niederländische Art 🙂 (wir haben beide eine Weile in Amsterdam gelebt und studiert). Letztendlich verbrachten wir zwei Nächte bei Nurdan, Mehmet, Arda und Emin, wurden mit super leckerem Essen versorgt, schliefen auf den sehr gemütlichem Schlafsofas, konnten unsere Wäsche waschen und bekamen am nächsten Tag eine persönliche Führung von Nurdan durch das Dorf. Dabei lernten wir neben vielen anderen Dorfbewohnern ihre Eltern kennen, die einen tollen Garten haben und viel selbermachen. Sehr beeindruckend waren die vielen Bienenvölker, die teilweise in aus Kuhfladen und Holz gebauten Bienenstöcken wohnen. Mittags aßen wir in einem kleinen Fischrestaurant, von dem man die Becken mit den Fischen direkt sehen kann. Laura und Emin versuchten zusammen Fische mit der Hand zu fangen. Als wir gehen wollten, erfuhren wir, dass bereits ein Mitarbeiter des Rathauses, der dort ebenfalls gegessen und sich mit uns unterhalten hatte, für uns bezahlt hatte. Am nächsten Morgen hatte Nurdans Mutter Börek und Omaç (Dürüm mit in Butter und Ei gebackenem Brot gefüllt) für uns zum Frühstück vorbereitet hatte und uns auch reichlich mit Essen für unterwegs ausstattete. Mehmet und Nurdan verabschiedeten uns später und winkten uns noch lange hinterher. Dankjulliewel!! Het was geweldig om jullie te ontmoeten!

Die nächsten Tage fuhren wir durch wunderschöne hügelige und weite Landschaft, wo man meist kilometerweit gucken konnte, auf einer Höhe von um die 1200 m und fanden immer ein paar der wenigen Bäume, um zu zelten. Eine Nacht verbrachten wir in der Nähe eines Dorfes, wo uns ein Bauer noch eine gute Wiese zeigte, um unser Zelt aufzubauen. Später kamen er und der Imam des Dorfes noch vorbei, um uns seine Nummer zu geben, damit wir anrufen können, falls es Probleme gibt. Am nächsten Tag hatten wir in einem kleinen Dorf gerade begonnen ein Picknick zu machen, als uns ein paar der dort wohnenden Frauen uns entdeckten. Kurz darauf brachten sie auf einem silbernen Tablett viele selbstgemachte Speisen für uns und holten weitere Verwandte und Nachbarn herbei. Verständigen konnten wir uns kaum, doch die Stimmung war bestens und es wurde viel gelacht. An diesem Abend fuhren wir noch bis nach Tokat. Da wir jedoch spät losgefahren waren und die Pause dann länger dauerte als geplant, mussten wir die letzten 30 km im Dunkeln (und Kalten) zurücklegen. Dort angekommen wurden wir sehr herzlich von Gamze und ihrer Familie begrüßt. Die gesamte Familie samt Großmutter war im Wohnzimmer versammelt um uns zu empfangen, sie hatten ein sehr leckeres Willkommensabendessen vorbereitet, Melih (Gamzes jüngerer Bruder) hatte Sätze und Fragen für uns auf Englisch vorbereitet und es war eine schöne und lustige Atmosphäre. Wir durften in Gamzes und Damlas (ältere Schwester) gemütlichen Betten schlafen. Am nächsten Tag besichtigten wir einen Turm (mit Uhr, aber kein Kirchturm. Auf Englisch: clocktower), fuhren bzw. schoben unsere Fahrräder den Hügel hoch, wo sich die Ruine einer Burg befand und genossen die Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Hügel. Dort picknickten wir auch und aßen Sonnenblumenkerne, die noch in der Schale sind (wie man das elegant macht, haben wir auch erst hier in der Türkei gelernt). Später gingen wir noch auf einen Markt und tranken Tee. Abends waren wir von Mahmut, der uns Gamze und ihre Familie vermittelt hatte und einen Sportverein leitet, und einem Freund von ihm, der ihm Hotel arbeitet, zu einem leckeren Abendessen in dem sehr schicken Hotel eingeladen. Dort war auch Zeynep (Mahmuts Tochter), die später am Abend für uns sang. Nach dem Abendessen waren wir zusammen mit Gamze und Damla zu unserem ersten türkischen Hamam und Sauna eingeladen! Letztendlich blieben wir noch eine Nacht länger und extra für uns wurde sütlaç (Milchreis) und haşhaş(Mohn)-Börek zubereitet. Abends unternahmen wir mit Gamze und Melih noch eine kleine Fahrradtour und spielten Basketball auf einem Sportplatz in der Stadt. Am Abreisetag begleitete uns Gamze noch bis zum Ortsschild. Unterwegs machten wir in der Nähe einer Polizeistation Pause (die hier manchal wie kleine Ritterburgen aussehen) und wurden sofort eingeladen zu Tee und baclava (süßes Gebäck). Viel schneller als gedacht erreichten wir die kleine Stadt Niksar, wo uns Mahmut einen Gastgeber, nämlich Tunay vermittelt hatte. Dieser empfing uns in dem kleinen Museum wo er arbeitete. Nach Feierabend besichtigten wir die Burg der Stadt, eine fast 1000 Jahre alte Moschee, tranken Tee und aßen Pide. Schon Abends begann ein strömender Regen, der bis zum nächsten Tag andauerte. So waren wir unschlüssig, ob wir aufbrechen sollten, da die Strecke, die uns erwartete nicht einfach war, sondern uns 30 km Anstieg bevorstanden. Den Vormittag verbrachten wir im dem Museum benachbarten Internetcafe, wo wir am Blog arbeiten konnten. Schließlich entschieden wir uns doch loszufahren und strebten an, den 18 km entfernten Campingplatz zu erreichen. Als der Regen stärker wurde, beschlossen wir, zu versuchen bei einem Auto mitzufahren. Kurz darauf hielt ein Auto an und wir luden die Räder und das Gepäck auf die Ladefläche. In dem Moment, wo wir einstiegen begann es zu schneien! Aufgrund eines sprachlichen Missverständnisses fuhren wir nicht nur bis zum Campingplatz sondern noch mehr als 100 km weiter, über die Berge und durch den Schneesturm bis ans Schwarze Meer nach Ünye. Dort hatten wir gedacht, erst zwei Tage später anzukommen, das war jetzt ganz schön schnell gegangen! Am Meer gab es keinen Schnee. Es war schon spät und unser Fahrer hatte vor, in einem Hotel zu übernachten und bestand darauf, auch ein Zimmer für uns zu bezahlen, obwohl wir sagten, dass Zelten kein Problem wäre. Vor der Zimmertür lag direkt das Meer. Dies war auch wieder ein Tag gewesen, dessen Ausgang wir uns morgens nicht hätten vorstellen können. Die Schwarzmeerküste ist quasi die Zielgerade auf dem Weg nach Georgien. Es sind noch gute 400 km bis zur Grenze, das sollte zeitlich gut zu schaffen sein. Dem Schnee waren wir also gerade noch so entkommen. Auch Nurdan und Mehmet hatten geschrieben, dass es nur wenige Tage nach unserer Abreise begonnen hatte zu schneien.

 

Unser letzter Abend in Göreme wurde mit türkischem Raki gefeiert.

Am Morgen bevor wir weitergefahren sind, standen wir früh auf um den Sonnenaufgang zu sehen bevor wir weiterfahren. 

Laura und Emin versuchen Fische zu fangen.

Unsere herzlichen Gastgeber Nurdan, Mehmet und Joe in Sırçalı.

Noemi macht den Abwasch. 
Waehrend unserer Mittagspause in einem kleinem Dorf.
Auf 1400 Meter mitten im Nichts. 
Mit Damla und Gamze auf dem Weg zur Tokat Castle. 

Melihs vorbereiteter Zettel für uns.

Damla praesentiert ihren Börek. 

Wir verlassen Tokat, um weiter nach Niksar zu fahren.

Moschee in Niksar.

Bereit für die Moschee; Schuhe aus, Kopftuch auf.

Der Blick von unserem Hotelzimmer in Ünye.

Und der Fahrradweg endet wie so oft im Nichts.

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