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Life is what happens while you’re busy making other plans

Wir waren so gut wie bereit für die Weiterreise und genossen noch etwas den Schnee in den Bergen, als wir die Nachricht bekamen, dass Lauras Oma im Krankenhaus war. Da sich ihr Zustand nicht besserte und nicht deutlich war, was los war, entschied sich Laura, spontan nach Deutschland zu reisen. Mittags buchte sie den Flug und nur ein paar Stunden spaeter sass sie bereits in der Marschrutka (Minibus) nach Tbilisi.
Laura
Die Fahrt mit der Mashrutka nach Tbilisi war die schlimmste, die ich bishher mitgemacht habe und neben ein paar Nahtoderfahrungen wurde mir kotzübel. Endlich in Tbilisi angekommen musste ich einiges organisieren – Flugticket drucken, Einkäufe für Reise, Gepäck das ich mit in den Bergen hatte bei Noemis Hostel in Tbilisi abstellen. Ausserdem stand ich viel in Kontakt mit Freunden und Familie in Deutschland und auch mit Can, Petek und Huseyin in der Tuerkei, um ein moegliches Treffen und die Uebergabe unserer Schlafsaecke, die noch immer in der Tuerkei waren, zu planen. Hinzu kam noch, dass in meinem Hostel viel Arbeit anstand.
Der Flug von Tbilisi nach Istanbul war mitten in der Nacht. Zurueck zu fliegen fühlte sich so unwirklich an. Wie schnell man von einem Ort an den anderen kommt, wenn man fliegt. Vom Flugzeug aus konnte ich die tuerkische Schwarzmeerküste sehen. Durch die Lichter der Orte und Straßen, habe ich die kleine Halbinsel bei Fatsa gesehen, auf der wir nachts von der Polizei aus dem Zelt geholt worden. Ich bin schon recht viel geflogen, aber gerne mach ich es nicht. In diesem Moment musste ich an die 4-tägige Greyhound Bus Reise von Los Angeles nach Chicago denken, die ich vor einige Jahren gemacht habe. Vielleicht ist Fliegen doch angenehmer, als so eine Busreise. Fahrradfahren ist aber auf jeden Fall am angenehmsten. Da kann man Pausen machen, wann es einem passt und man ist konstant in Bewegung. Kurz vor der Landung erbot sich mir dann der Sonnenaufgang über den Wolken. Pünktlich zum türkischen Frühstück mit Hüseyin landete ich in Istanbul.
Hüseyin war auch so lieb um unsere alten Schlafsäcke, die wir in Ankara zurück gelassen haben, mitzubringen. Das war alles ein kleines Organisationswunder. Sehr spontan hatte ich Can und Petek bescheidgesagt, dass ich einen kurzen Aufenthalt in Istanbul habe, bevor mein Flug nach Hamburg geht. Die beiden haben dann umgehend die Schlafsäcke verpackt und mit einem Bus nach Istanbul geschickt, wo Hüseyin sie dann spät Abends abgeholt hat, um sie dann früh am nächsten Morgen mit zum Flughafen zu bringen. Danke fuer all eure Hilfe! Bei unserem ersten Anlauf, unsere alten Schlafsaecke mit der Post zu schicken, waren sie im deutschen Zoll haengen geblieben und wieder zurueck geschickt worden.
In Hamburg am Flughafen wurde ich von Lenja abgeholt, die sich extra frei genommen und ein Auto organisiert hatte. Von dort aus ging es dann direkt zum Krankenhaus. Zu diesem Zeitpunkt, fuehlte es sich an wie Schlafwandeln.
Dort angekommen, ging es meiner Oma schon sehr viel besser und wir konnten sie sogar schon nach Hause bringen.
Das war eine schöne Überraschung fuer uns beide, denn meine Oma wusste nicht, dass ich komme und ich war ueberrascht, dass es ihr wieder besser ging. So habe ich dann die erste Nacht bei meiner Oma zu Hause verbracht.
Die Zeit in Deutschland nutzte ich, um viele liebe Leute zu treffen und einige Ärzte wegen meines Knies aufzusuchen. Alle haben ein bisschen was anderes gesagt, also sehr viel schlauer bin ich noch nicht. Bevor ich von Berlin zurück nach Georgien geflogen bin, habe ich einen Teil von Noemis Familie gesehen. Bei der Gelegenheit nun in Berlin zu sein, habe ich auch Dominik besucht, der Orthopäde ist, um noch seine Meinung zu hören, bevor ich wieder nach Georgien fliege. Er sagte mir, dass Fahrradfahren meinem Knie gut tun wuerde.
Ich bin also wieder nach Georgien geflogen, erst nach Kutaisi, wo ich eine Nacht verbrachte, dann bin ich mit der Mashrutka nach Tbilisi gefahren. Der Weg von Kutaisi nach Tbilisi war sehr grün und hügelig. Der Frühling war dort schon angekommen und ich war völlig hin und weg von der Schönheit der Natur. In Tbilisi verbrachte ich zwei Nächte, bevor ich zu Noemi nach Gudauri fuhr.
Noemi
Nach Lauras plötzlicher Abreise blieb ich erstmal noch ein paar Tage in den Bergen. Dort wurde es immer leerer und man merkte, dass die Saison langsam zuende ging. Von dem Skiliftunfall, von dem einige von euch vielleicht in den Nachrichten gehört haben, habe ich direkt nichts mitbekommen, da ich gerade dabei war mein Board zu holen.
Einige Tage später beschloss ich zu meiner ersten eigenen kleinen Fahrradtour nach Armenien aufzubrechen. Zurück in Tbilisi packte ich meine Sachen und brach einen Tag später auf. Ein Freiheitsgefühl, dass man so leicht umsetzen kann. Hier unten war es schon richtig Frühling verglichen mit den Bergen – viel grün, warme Sonne und Vogelgezwitscher. Das Alleine-Unterwegssein war aufregend und manchmal sehr schön. Insgesamt ist es denke ich anstrengender, da man für alle Entscheidungen und Einschätzungen von Situationen selbst verantwortlich ist.
Noch in Georgien zeltete ich das erste mal alleine. Am nächsten Tag ging es über die Grenze. Von Armenien wusste ich vorher nicht viel, außer dass es sehr bergig sein sollte. Das stimmt! In der wunderschönen, grünen und manchmal felsigen Landschaft mit Kuh- und Schafherden und frei umherlaufenden Pferden war es nie weit bis zum nächsten Anstieg. In Armenien erfuhr ich, dass mein Name von dort kommt.
Insgesamt habe ich etwa eine Woche in Armenien verbracht und unglaublich viel Gastfreundschaft erlebt. Direkt am ersten Abend wurde ich bei einer sehr herzlichen und lustigen Familie aufgenommen und hätte dort gleich ein ganzes Jahr bleiben können, wenn ich wollte. Bei ihnen lernte ich ein paar Wörter Armenisch und konnte Russisch üben, das ich in Gudauri angefangen hatte zu lernen. Lilya, die 13-jährige Tochter, sprach ziemlich gut Englisch und übersetzte viel. Ansonsten nahmen wir Google translate zur Hilfe.
Ein anderes Mal wurde ich von Leuten gefragt, ob ich ein Stück mitfahren wollte. Das Angebot nahm ich dankend an, da ich mir eine Mitfahrgelegenheit bei der mehren Kilometer langen Steigung schon insgeheim gewünscht hatte. Aus einem Stück wurden mehr als 100 km bis nach Jerevan. Die Nacht durfte ich bei der Familie des Fahrers verbringen. Und auch direkt vor der Rückfahrt mit dem Nachtzug nach Tbilisi wurde ich zum Abendbrot und Tee spontan von einem aelteren Mann auf der Strasse eingeladen. In all den Tagen, war ich kein einziges Mal im Supermarkt (obwohl ich sehr gerne einkaufen gehe) und meine Taschen wurden schwerer und schwerer, da ich bei allen Stationen mit mehr als ausreichend Picknick versorgt wurde: so reiste ich zurück mit zwei Gläsern Marmelade, einem halben Laib selbsgemachtem Käse, Eiern, einem Liter Kompott, zwei Kilo Äpfeln, Gebäck, getrockneten Früchten (auch wenn ich immer meinte, das wäre nicht nötig und wird viel zu schwer).
Die Rückfahrt mit dem Nachtzug war auch ein Erlebnis für sich. Die einzelnen Abteile waren nicht mit Türen abetrennt und pro Abteil gab es 6 Betten. Es war aber nicht sehr voll. Und mitten in der Nacht gab es die Grenzkontrollen (zwei, von jedem Land eine) mit Gepäckdurchsuche auf Zigaretten und Kognak.
Zurück in Tbilisi, das eine morgendlich friedliche Atmosphäre hatte, traf ich zufällig auf dem erfolglosen Ausflug zur Post (da es Sonntag war, was ich vergesse hatte) Vitia, der zusammen mit seiner Schwester Alisa, ihrem Mann und einer Freundin in einem Cafe sass. Zusammen verbrachten wir einen warmen und sonnigen Frühlingstag in der Altstadt von Tbilisi.
Ein paar Tage später ging es wieder zurück in die Berge!! Ich war viel mit Vitia und seinem Team (Bogdani, Julia und Sascha; und Jana und Sascha) unterwegs, die alle als Snowboard/Skilehrer arbeiteten und versuchte mit ihrem Tempo mitzuhalten und nicht verloren zu gehen, was ab und an vorkam. Einmal gab es einen Tag mit gutem Neuschnee (Powder-Day) und ein paar schöne Freeride-Momente.
Kurz vor Ostern war Laura wieder zurück. Zusammen mit Vitia hatten wir ein schönes Osterfrühstück und sogar versteckte Ostereier (die hatte Laura aus Deutschland mitgebracht, denn Osterschokolade gibt es hier gar nicht). Nach dem orthodoxen Kalender feierten die Georgier Ostern eine Woche später. In den Tagen vorher sah man die Leute palettenweise Eier kaufen, die dann rot gefärbt werden. Abends sassen wir in Gudauri oefter mit Vitia und seinem Team und Jana und Sascha zusammen. So waren wir letztendlich doch bis zum Ende der Saison dort. Die Atmosphaere im Skigebiet veraenderte sich und die Pisten und auch unser Hostel wurden immer leerer bis wir am Abfahrtstag eine der letzten waren die aus dem Hostel abreisten.
Mit Leuten aus Noemis Hostel in Tbilisi machten wir einen schönen Ausflug zu David Gareja, einem Kloster, Höhlen und schönen Felsen direkt auf der Grenze zu Aserbaidschan.
Fuer ein paar Tage reisten wir gemeinsam nach Noyemberian in Armenien zu der netten Familie, mit der Noemi in Kontakt geblieben war nach ihrem ersten Besuch. Mit ihnen verbrachten wir ein paar schoene Tage, arbeiteten im Garten und besuchten ein Kloster in der Umgebung. Von der Milch ihrer Kuehe machen sie ihren eigenen Joghurt (Matsoni) und Kaese. Ein weiteres Mal waren wir erfuellt von der unglaublichen Gastfreundschaft.
Wir lernten auch mehr ueber die Geschichte Armeniens, einem Land, mit knapp drei Millionen Einwohnern (und etwa dreimal so viel im Ausland lebenden Armeniern). Es ist noch viel mehr gepraegt von der Sowietzeit als Georgien und ist auf Russland als politisch Verbündeten angewiesen. Mit den Nachbarlaendern Tuerkei und Aserbaidschan gibt es seit dem Genozid 1915 bzw. durch die bis heute andauernden Grenzkonflikten und Schiessereien (auch in den Tagen wo wir dort waren) keine offenen Grenzen oder Kommunikation.
Laura feierte einen besonderen Geburtstag, den sie zur Haelfte in Armenien und zur Haelfte in Georgien verbrachte. Nachts gab es eine kleine Spontanfeier mit der Familie. Abends leckeres Essen in Tbilisi und spaeter Eis auf dem Balkon von Lauras Hostel, von wo aus wir den Gewitterblitzen zuschauten.
Zusammen machten wir uns aus Tbilisi mit dem Zug auf den Weg nach Batumi.
Laura wird von hieraus ihre Rueckreise nach Deutschland durch die Ukraine und Polen antreten – zunaechst mit der Faehre nach Odessa, dann weiter mit Fahrrad, Zug und per Anhalter, je nachdem was sich gut fuers Knie anfühlt. Sie wird in Deutschland arbeiten und weitersehen, was sie dem Knie Gutes tun kann.
Noemi wird von Tbilisi nach Neuseeland fliegen, dort mit dem Rad unterwegs sein und arbeiten.
Nach mehr als 10 Monaten Unterwegssein, mehr als 6000 km, unglaublich vielen Eindruecken und tollen Begegnungen, ist unsere gemeinsame Reise nun schneller als gedacht zuende.
Die Entscheidung fuer die getrennte Weiterreise und der Abschied fielen uns nicht leicht.
Wer weiss, vielleicht werden wir diese Reise eines Tages von Tbilisi aus fortsetzen.
Wir werden euch auf dieser Seite weiterhin auf dem Laufenden halten. So werdet ihr hier demnaechst von Laura ueber ihre Reise in und durch die Ukraine hoeren und von Noemi ueber die Ankunft und erste Zeit in Neuseeland.
Der Blick aus unserem Fenster in Gudauri.

Auf gehts nach Armenien.

Erstes Mal alleine zelten.

Hauptbahnhof in Jerevan.
Jerevan.
Jerevan.
Spontaneinladung zum Essen bevor es in den Zug ging. Eigentlich war alles davon fuer mich. Ich bekam daher ein grosses Lunchpaket fuer die Zugreise mit.
Im Nachtzug nach Tbilisi.
„Koennen Sie Ihr Fahrrad auch vertikal hinstellen?“
Guten Morgen, Tbilisi!
Einen Aufzug gibt es leider nicht.
Marjanishvili Street, Tbilisi.
Ausflug zu David Gareja mit Christine und Fergal aus Noemis Hostel. Im Hintergrund liegt Aserbaidschan.
In den Berg gehauene Kirchen. Hat uns an Kappadokien in der Tuerkei erinnert.
David Gareja, Georgien.
Noyemberyan, Armenien.
Noyemberyan, Armenien.

Fahrzeuge in Noyemberyan.

Gartenarbeit mit Tatul und Aghunik, Noyemberyan.

Spontane Geburtstagsfeier.

Im Kindercafe in Noyemberyan.
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