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Rolling East Posts

Life is what happens while you’re busy making other plans

Wir waren so gut wie bereit für die Weiterreise und genossen noch etwas den Schnee in den Bergen, als wir die Nachricht bekamen, dass Lauras Oma im Krankenhaus war. Da sich ihr Zustand nicht besserte und nicht deutlich war, was los war, entschied sich Laura, spontan nach Deutschland zu reisen. Mittags buchte sie den Flug und nur ein paar Stunden spaeter sass sie bereits in der Marschrutka (Minibus) nach Tbilisi.
Laura
Die Fahrt mit der Mashrutka nach Tbilisi war die schlimmste, die ich bishher mitgemacht habe und neben ein paar Nahtoderfahrungen wurde mir kotzübel. Endlich in Tbilisi angekommen musste ich einiges organisieren – Flugticket drucken, Einkäufe für Reise, Gepäck das ich mit in den Bergen hatte bei Noemis Hostel in Tbilisi abstellen. Ausserdem stand ich viel in Kontakt mit Freunden und Familie in Deutschland und auch mit Can, Petek und Huseyin in der Tuerkei, um ein moegliches Treffen und die Uebergabe unserer Schlafsaecke, die noch immer in der Tuerkei waren, zu planen. Hinzu kam noch, dass in meinem Hostel viel Arbeit anstand.
Der Flug von Tbilisi nach Istanbul war mitten in der Nacht. Zurueck zu fliegen fühlte sich so unwirklich an. Wie schnell man von einem Ort an den anderen kommt, wenn man fliegt. Vom Flugzeug aus konnte ich die tuerkische Schwarzmeerküste sehen. Durch die Lichter der Orte und Straßen, habe ich die kleine Halbinsel bei Fatsa gesehen, auf der wir nachts von der Polizei aus dem Zelt geholt worden. Ich bin schon recht viel geflogen, aber gerne mach ich es nicht. In diesem Moment musste ich an die 4-tägige Greyhound Bus Reise von Los Angeles nach Chicago denken, die ich vor einige Jahren gemacht habe. Vielleicht ist Fliegen doch angenehmer, als so eine Busreise. Fahrradfahren ist aber auf jeden Fall am angenehmsten. Da kann man Pausen machen, wann es einem passt und man ist konstant in Bewegung. Kurz vor der Landung erbot sich mir dann der Sonnenaufgang über den Wolken. Pünktlich zum türkischen Frühstück mit Hüseyin landete ich in Istanbul.
Hüseyin war auch so lieb um unsere alten Schlafsäcke, die wir in Ankara zurück gelassen haben, mitzubringen. Das war alles ein kleines Organisationswunder. Sehr spontan hatte ich Can und Petek bescheidgesagt, dass ich einen kurzen Aufenthalt in Istanbul habe, bevor mein Flug nach Hamburg geht. Die beiden haben dann umgehend die Schlafsäcke verpackt und mit einem Bus nach Istanbul geschickt, wo Hüseyin sie dann spät Abends abgeholt hat, um sie dann früh am nächsten Morgen mit zum Flughafen zu bringen. Danke fuer all eure Hilfe! Bei unserem ersten Anlauf, unsere alten Schlafsaecke mit der Post zu schicken, waren sie im deutschen Zoll haengen geblieben und wieder zurueck geschickt worden.
In Hamburg am Flughafen wurde ich von Lenja abgeholt, die sich extra frei genommen und ein Auto organisiert hatte. Von dort aus ging es dann direkt zum Krankenhaus. Zu diesem Zeitpunkt, fuehlte es sich an wie Schlafwandeln.
Dort angekommen, ging es meiner Oma schon sehr viel besser und wir konnten sie sogar schon nach Hause bringen.
Das war eine schöne Überraschung fuer uns beide, denn meine Oma wusste nicht, dass ich komme und ich war ueberrascht, dass es ihr wieder besser ging. So habe ich dann die erste Nacht bei meiner Oma zu Hause verbracht.
Die Zeit in Deutschland nutzte ich, um viele liebe Leute zu treffen und einige Ärzte wegen meines Knies aufzusuchen. Alle haben ein bisschen was anderes gesagt, also sehr viel schlauer bin ich noch nicht. Bevor ich von Berlin zurück nach Georgien geflogen bin, habe ich einen Teil von Noemis Familie gesehen. Bei der Gelegenheit nun in Berlin zu sein, habe ich auch Dominik besucht, der Orthopäde ist, um noch seine Meinung zu hören, bevor ich wieder nach Georgien fliege. Er sagte mir, dass Fahrradfahren meinem Knie gut tun wuerde.
Ich bin also wieder nach Georgien geflogen, erst nach Kutaisi, wo ich eine Nacht verbrachte, dann bin ich mit der Mashrutka nach Tbilisi gefahren. Der Weg von Kutaisi nach Tbilisi war sehr grün und hügelig. Der Frühling war dort schon angekommen und ich war völlig hin und weg von der Schönheit der Natur. In Tbilisi verbrachte ich zwei Nächte, bevor ich zu Noemi nach Gudauri fuhr.
Noemi
Nach Lauras plötzlicher Abreise blieb ich erstmal noch ein paar Tage in den Bergen. Dort wurde es immer leerer und man merkte, dass die Saison langsam zuende ging. Von dem Skiliftunfall, von dem einige von euch vielleicht in den Nachrichten gehört haben, habe ich direkt nichts mitbekommen, da ich gerade dabei war mein Board zu holen.
Einige Tage später beschloss ich zu meiner ersten eigenen kleinen Fahrradtour nach Armenien aufzubrechen. Zurück in Tbilisi packte ich meine Sachen und brach einen Tag später auf. Ein Freiheitsgefühl, dass man so leicht umsetzen kann. Hier unten war es schon richtig Frühling verglichen mit den Bergen – viel grün, warme Sonne und Vogelgezwitscher. Das Alleine-Unterwegssein war aufregend und manchmal sehr schön. Insgesamt ist es denke ich anstrengender, da man für alle Entscheidungen und Einschätzungen von Situationen selbst verantwortlich ist.
Noch in Georgien zeltete ich das erste mal alleine. Am nächsten Tag ging es über die Grenze. Von Armenien wusste ich vorher nicht viel, außer dass es sehr bergig sein sollte. Das stimmt! In der wunderschönen, grünen und manchmal felsigen Landschaft mit Kuh- und Schafherden und frei umherlaufenden Pferden war es nie weit bis zum nächsten Anstieg. In Armenien erfuhr ich, dass mein Name von dort kommt.
Insgesamt habe ich etwa eine Woche in Armenien verbracht und unglaublich viel Gastfreundschaft erlebt. Direkt am ersten Abend wurde ich bei einer sehr herzlichen und lustigen Familie aufgenommen und hätte dort gleich ein ganzes Jahr bleiben können, wenn ich wollte. Bei ihnen lernte ich ein paar Wörter Armenisch und konnte Russisch üben, das ich in Gudauri angefangen hatte zu lernen. Lilya, die 13-jährige Tochter, sprach ziemlich gut Englisch und übersetzte viel. Ansonsten nahmen wir Google translate zur Hilfe.
Ein anderes Mal wurde ich von Leuten gefragt, ob ich ein Stück mitfahren wollte. Das Angebot nahm ich dankend an, da ich mir eine Mitfahrgelegenheit bei der mehren Kilometer langen Steigung schon insgeheim gewünscht hatte. Aus einem Stück wurden mehr als 100 km bis nach Jerevan. Die Nacht durfte ich bei der Familie des Fahrers verbringen. Und auch direkt vor der Rückfahrt mit dem Nachtzug nach Tbilisi wurde ich zum Abendbrot und Tee spontan von einem aelteren Mann auf der Strasse eingeladen. In all den Tagen, war ich kein einziges Mal im Supermarkt (obwohl ich sehr gerne einkaufen gehe) und meine Taschen wurden schwerer und schwerer, da ich bei allen Stationen mit mehr als ausreichend Picknick versorgt wurde: so reiste ich zurück mit zwei Gläsern Marmelade, einem halben Laib selbsgemachtem Käse, Eiern, einem Liter Kompott, zwei Kilo Äpfeln, Gebäck, getrockneten Früchten (auch wenn ich immer meinte, das wäre nicht nötig und wird viel zu schwer).
Die Rückfahrt mit dem Nachtzug war auch ein Erlebnis für sich. Die einzelnen Abteile waren nicht mit Türen abetrennt und pro Abteil gab es 6 Betten. Es war aber nicht sehr voll. Und mitten in der Nacht gab es die Grenzkontrollen (zwei, von jedem Land eine) mit Gepäckdurchsuche auf Zigaretten und Kognak.
Zurück in Tbilisi, das eine morgendlich friedliche Atmosphäre hatte, traf ich zufällig auf dem erfolglosen Ausflug zur Post (da es Sonntag war, was ich vergesse hatte) Vitia, der zusammen mit seiner Schwester Alisa, ihrem Mann und einer Freundin in einem Cafe sass. Zusammen verbrachten wir einen warmen und sonnigen Frühlingstag in der Altstadt von Tbilisi.
Ein paar Tage später ging es wieder zurück in die Berge!! Ich war viel mit Vitia und seinem Team (Bogdani, Julia und Sascha; und Jana und Sascha) unterwegs, die alle als Snowboard/Skilehrer arbeiteten und versuchte mit ihrem Tempo mitzuhalten und nicht verloren zu gehen, was ab und an vorkam. Einmal gab es einen Tag mit gutem Neuschnee (Powder-Day) und ein paar schöne Freeride-Momente.
Kurz vor Ostern war Laura wieder zurück. Zusammen mit Vitia hatten wir ein schönes Osterfrühstück und sogar versteckte Ostereier (die hatte Laura aus Deutschland mitgebracht, denn Osterschokolade gibt es hier gar nicht). Nach dem orthodoxen Kalender feierten die Georgier Ostern eine Woche später. In den Tagen vorher sah man die Leute palettenweise Eier kaufen, die dann rot gefärbt werden. Abends sassen wir in Gudauri oefter mit Vitia und seinem Team und Jana und Sascha zusammen. So waren wir letztendlich doch bis zum Ende der Saison dort. Die Atmosphaere im Skigebiet veraenderte sich und die Pisten und auch unser Hostel wurden immer leerer bis wir am Abfahrtstag eine der letzten waren die aus dem Hostel abreisten.
Mit Leuten aus Noemis Hostel in Tbilisi machten wir einen schönen Ausflug zu David Gareja, einem Kloster, Höhlen und schönen Felsen direkt auf der Grenze zu Aserbaidschan.
Fuer ein paar Tage reisten wir gemeinsam nach Noyemberian in Armenien zu der netten Familie, mit der Noemi in Kontakt geblieben war nach ihrem ersten Besuch. Mit ihnen verbrachten wir ein paar schoene Tage, arbeiteten im Garten und besuchten ein Kloster in der Umgebung. Von der Milch ihrer Kuehe machen sie ihren eigenen Joghurt (Matsoni) und Kaese. Ein weiteres Mal waren wir erfuellt von der unglaublichen Gastfreundschaft.
Wir lernten auch mehr ueber die Geschichte Armeniens, einem Land, mit knapp drei Millionen Einwohnern (und etwa dreimal so viel im Ausland lebenden Armeniern). Es ist noch viel mehr gepraegt von der Sowietzeit als Georgien und ist auf Russland als politisch Verbündeten angewiesen. Mit den Nachbarlaendern Tuerkei und Aserbaidschan gibt es seit dem Genozid 1915 bzw. durch die bis heute andauernden Grenzkonflikten und Schiessereien (auch in den Tagen wo wir dort waren) keine offenen Grenzen oder Kommunikation.
Laura feierte einen besonderen Geburtstag, den sie zur Haelfte in Armenien und zur Haelfte in Georgien verbrachte. Nachts gab es eine kleine Spontanfeier mit der Familie. Abends leckeres Essen in Tbilisi und spaeter Eis auf dem Balkon von Lauras Hostel, von wo aus wir den Gewitterblitzen zuschauten.
Zusammen machten wir uns aus Tbilisi mit dem Zug auf den Weg nach Batumi.
Laura wird von hieraus ihre Rueckreise nach Deutschland durch die Ukraine und Polen antreten – zunaechst mit der Faehre nach Odessa, dann weiter mit Fahrrad, Zug und per Anhalter, je nachdem was sich gut fuers Knie anfühlt. Sie wird in Deutschland arbeiten und weitersehen, was sie dem Knie Gutes tun kann.
Noemi wird von Tbilisi nach Neuseeland fliegen, dort mit dem Rad unterwegs sein und arbeiten.
Nach mehr als 10 Monaten Unterwegssein, mehr als 6000 km, unglaublich vielen Eindruecken und tollen Begegnungen, ist unsere gemeinsame Reise nun schneller als gedacht zuende.
Die Entscheidung fuer die getrennte Weiterreise und der Abschied fielen uns nicht leicht.
Wer weiss, vielleicht werden wir diese Reise eines Tages von Tbilisi aus fortsetzen.
Wir werden euch auf dieser Seite weiterhin auf dem Laufenden halten. So werdet ihr hier demnaechst von Laura ueber ihre Reise in und durch die Ukraine hoeren und von Noemi ueber die Ankunft und erste Zeit in Neuseeland.
Der Blick aus unserem Fenster in Gudauri.

Auf gehts nach Armenien.

Erstes Mal alleine zelten.

Hauptbahnhof in Jerevan.
Jerevan.
Jerevan.
Spontaneinladung zum Essen bevor es in den Zug ging. Eigentlich war alles davon fuer mich. Ich bekam daher ein grosses Lunchpaket fuer die Zugreise mit.
Im Nachtzug nach Tbilisi.
„Koennen Sie Ihr Fahrrad auch vertikal hinstellen?“
Guten Morgen, Tbilisi!
Einen Aufzug gibt es leider nicht.
Marjanishvili Street, Tbilisi.
Ausflug zu David Gareja mit Christine und Fergal aus Noemis Hostel. Im Hintergrund liegt Aserbaidschan.
In den Berg gehauene Kirchen. Hat uns an Kappadokien in der Tuerkei erinnert.
David Gareja, Georgien.
Noyemberyan, Armenien.
Noyemberyan, Armenien.

Fahrzeuge in Noyemberyan.

Gartenarbeit mit Tatul und Aghunik, Noyemberyan.

Spontane Geburtstagsfeier.

Im Kindercafe in Noyemberyan.
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Nach Tbilisi und wieder zurück in die Berge.

English

 

Bis zum Ende unserer Zeit in Gudauri, war Lauras Knie leider noch nicht stabil genug, um wieder aufs Snowboard aufzusteigen. Während sie stattdessen die Berge, Sonne und die frische Luft beim Wandern genoss, fuhr Noemi immer schneller und eleganter die Berge hinunter. Gemeinsam machten wir einen Tagesausflug zum Lomisi-Kloster. Von dem Dorf Kvemo Mleta aus wanderten wir etwa drei Stunden den schneebedeckten Berg hinauf. Oben angekommen fanden wir eine grosse, steinerne Kirche und ein kleines Häuschen vor, in dem bis zu 5 Mönche wohnen können. Beeindruckend war, wie sie den wenigen Platz dort nutzen und sie die Betten wie Wandschränke eingebaut haben. An diesem Tag war nur einer der Mönche (und ihre Katze) zuhause. Dieser lud uns ein, uns zu Tee und Gebäck an den warmen Ofen zu setzen. Glücklicherweise waren gleichzeitig mit uns zwei Skiwanderer dort angekommen, die Georgisch sprachen und uns übersetzen konnten. Es war eine schöne Atmosphäre und bevor wir uns wieder auf den Weg machten, gab uns der Mönch noch ein paar Lebensweisheiten (zum Muttersein und Erziehen) mit auf den Weg. Die Tage und Abende verbrachten wir oft mit Vitia (Viktor) und Sveta, einer Freundin von ihm aus der Ukraine mit gemeinsamen Snowboarden, Zusammensitzen und Spielen.

Unsere Zeit in Gudauri neigte sich dem Ende zu. Bevor es wieder nach Tbilisi ging, fuhren für zwei Nächte nach Stepantsminda, noch dichter an die russische Grenze, in die Nähe eines der höchsten Berge Georgiens – Kazbeg (5033 m). Dort wanderten wir zu einer Kirche hinauf. Am nächsten Tag nahmen wir Abschied von den Bergen und kamen abends in Tbilisi an. Dort arbeiteten wir wieder als Freiwillige in den Hostels. Laura ging wieder in das gleiche Hostel, wo sie vorher auch gewesen war. In der Zwischenzeit waren jedoch einige neue langfristige Gäste angekommen, sodass es oft etwas eng war in den kleinen Räumen. Noemi fing noch am selben Abend in einem neuen Hostel an (was zu Fuß etwa 25 Minuten von Lauras Hostel entfernt liegt). Dort angekommen war sie sofort im Einsatz und für ein paar Tage alleine zuständig. Meistens waren nur wenige Gäste da, sodass sie es dann sehr genoss, das Haus (fast) für sich zu haben. Einige Nächte war es so ausgebucht, dass wir dann in einem anderen Hostel der Familie unterkamen, was ganz frisch eröffnet worden war.

Zurück aus den Bergen fiel uns besonders auf, dass die Luft in der Stadt viel schlechter war. Aber wir genossen auch die Vorteile, wie die vielen frischen und guenstigeren Sachen in den Supermaerkten, Cafes und neue Ecken kennenzulernen und Strassenkunst zu entdecken. Nur wenige Tage nach unserer Ankunft erhielten wir Besuch von unseren Gastgebern und Freunden aus Rize in der Tuerkei, was uns sehr freute!! Es war ein total schoenes Wiedersehen mit Hueseyin, Soezer, Samil, Mustafa und Burak. Wie vor drei Monaten, als wir in Roze bei ihnen waren, spielten wir wieder viel zusammen. Einen Abend sassen wir dazu in einem Cafe mit Livemusik, ein anderes Mal probierten und lernten wir neue Spiele auf dem Fabrika-Gelaende, wo auch spaeter Sveta dazustiess. Leider waren wir beide nicht ganz fit bzw. konnten die Naechte nicht gut schlafen und konnten daher nicht so viel, wie wir uns gewuenscht hatten mit ihnen unternehmen. Wir sind schon sehr gespannt wo wir uns das naechste Mal begegnen, vielleicht in Deutschland, der Tuerkei oder ganz woanders.

Waehrend unserer Zeit in Tbilisi haben wir viele Eindruecke von der Stadt gewonnen. Es gibt viel Strassenmusik. Hier haben die Musiker jedoch fast alle Kollegen, die mit einem Hut auf die Leute zukommen, um Geld einzusammeln. In den Strassen und der Metro gibt es auffallend viele Menschen, die um Geld fragen oder Kleinigkeiten verkaufen wie Blumen oder Nuesse. Die Stadt ist insgesamt vom Verkehr her sehr auf Autos ausgerichtet. Selten gibt es Ampeln, als Fußgänger wechselt man die Straßenseite bei den grossen Strassen, indem man Unterführungen benutzt. Dort gibt es oft kleine Geschäfte, Musik und Strassenkunst. Auffallend sind die grossen Kontraste, die es hier gibt. Einerseits sieht man diese an den Fahrzeugen im Verkehr, aber auch sehr deutlich am Stadtbild. Direkt in den Nebenstrassen der sehr schicken Rustaveli Strasse (sozusagen der Kudamm Tbilisis) grenzen an sehr vornehme und teure Gebaeude (wie die Oper) sehr einfache und teilweise alte Holzhaeuser. Auch direkt in der Nebenstrasse hackt der Baecker (in Lauras Strasse) das Holz fuer den Brotofen vor seiner Baeckerei. Die typischen Brote haben hier eine besondere, geborgene Form (siehe Fotos unten) und der Ofen ist halbkugelförmig mit einem Loch oben. Der Teig wird geformt und dann flach auf eine Art Kissen gelegt uns dann an der Ofeninnenseite festgeklebt (siehe Bild unten).

Es gibt Viertel mit den typischen grauen Hochhaeusern aus der Sowjetzeit, in denen aber oft auch viel bunte Strassenkunst zu finden ist. In den Supermaerkten hier, gibt es viele Sachen (z.T. aus riesigen Becken) zum Selbst-Abfuellen: Nudeln, Zucker, Mehl, Obst und Gemüse, Trockenobst, Nüsse, Kerne, Gewürze, Honig, Kekse, Süßigkeiten, Klopapier, Eier etc. Wuerden die Produkte dann nicht jeweils wieder in Platiktueten eingepackt werden, sondern in eigene Gefaesse, waere dies eine gute Moeglichkeit um Verpackungen einzusparen. Wie Fisch und Fleisch auf Maerkten (aber auch in grossen Supermaerkten) verkauft wird, ist manchmal gewoehungsbeduerftig, da zum Teil direkt ein ganzes Schwein dort liegt oder bei einem Huhn noch die Beine dran sind. Das ganze liegt dann auf Maerkten meist ohne Abdeckung oder Verpackung oder Kuehlung einfach auf den Tischen und im Supermarkt ohne Packung im Gefrierfach. Wir essen sowieso vegetarisch, aber spaetestens dann, waere das uns auch sicherer vorgekommen. Da waren wir sehr froh, ein veganes Cafe mit leckerem Essen hier zu finden.

Die Zwischenzeit haben wir dazu genutzt, Vorbereitungen fuer die Weiterreise zu Treffen, also Besorgungen zu erledigen, die Fahrraeder abfahrtsbereit zu machen, uns um Visaangelegenheiten fuer die folgenden Laender zu kuemmern (wie zum Beispiel Passbilder mit Kopftuch zu machen). Da das Wetter noch nicht sehr warm ist und wir Vitia gerne wiedersehen wollten, beschlossen wir spontan, ihn an seinem freien Tag in Gudauri zu besuchen. Diese eine Nacht kamen wir in einem sogenannnten ‚offenen Haus‘ bei dem Couchsurfer Taylor unter. In dieser Nacht schliefen dort insgesamt 10 Leute. Als wir Michael (dem Hostelbesitzer) begegneten, meinte er, dass wir gerne bis Saisonende Mitte April wieder ins Hostel ziehen koennten! Da Laura noch immer ein wenig angeschlagen war, und wir daher sowieso noch nicht aufbrechen wuerden, beschlossen wir (wahrscheinlich nicht bis April) aber zumindest fuer eine kleine Weile wieder zurueck in die Berge zu ziehen. Dort sind die Luft und die Wohnbedingungen im Hostel vor allem fuer Laura viel besser. In Tbilisi stehen nun die Raeder und der Grossteil des Gepaecks schon bereit fuer die Abfahrt. Bis dahin geniessen wir den Schnee, das Snowboarden und die gute Luft 🙂

Laura entdeckt die Fitnessraeume in Gudauri.

Zur Abwechslung mal auf Reifen die Berge hinunter fahren.

Wanderung zum Lomisi Kloster.

Ankunft beim Lomisi Kloster. Im Hintergrund sieht man das von Russland besetzte Gebiet.

Tee und Kekse mit dem Moench.

In der Abenddaemerung ging es den Berg wieder runter.

Der Ort Stepantsminda zum Fusse des Berges Kasbek (5033 m).

Auf dem Weg zur Gergetier Dreifaltigkeitskirche. Im Hintergrund zieht man den Berg Kasbek.

Noemi geniesst die Aussicht.

Gergetier Dreifaltigkeitskirche.

Die Rize-Jungs und Sveta an unserem letzten Abend zusammen.

Verspaetete Weihnachtspost von Alex aus Berlin.

Lauras Hostel, ihre Mitbewohner und Mitarbeiter Che und Sam und Noemi als gerngesehender Dauergast.

Vitia schleift alte Stuecke von Skateboards zu Schmuck.

Und das ist das Resultat von Vitias Arbeit.

Laura nach langer Pause wieder auf dem Brett.

 

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Winterpause.

English

Weihnachten war dieses Jahr schnell wieder vorbei, als wir am 25. morgens unsere Sachen packten und aus dem AirBnB zurück in die Hostels zogen, wo die Arbeit auf uns wartete. Zu unseren Aufgaben gehören pro Arbeitstag einmal das Wichtigste sauberzumachen und manchmal einfach da zu sein und Stellung an der Rezeption zu halten, also neue Gäste willkommenzuheißen und mit Bettzeug und Bett zu versorgen, die Bezahlung entgegenzunehmen etc. Wir arbeiten beide etwa 3-4 Tage die Woche für 5-6 Stunden. Als Gegenleistung können wir dort umsonst wohnen. Die Hostels sind bis auf die Feiertage und Silvester meistens nicht sehr voll, da es Nebensaison ist. Das macht die Arbeit entspannter.

In Lauras Hostel ist die Atmosphäre familiär, öfters kocht einer für alle anderen und es wird zusammen gegessen und geteilt. Vieles ist noch im Auf- und Umbau, sodass an manchen Ecken mitgestaltet werden kann. Abends haben wir im Hostelwohnzimmer öfters noch nett mit Sam (dem Hostelgründer aus Ägypten, der auch im Hostel wohnt), Che (dem anderen Freiwilligen aus Schottland), Berika (aus Georgien, der zeitweise dort wohnt), Arturs (einem Erasmusstudenten aus Lettland, der dort für einen Monat eingezogen ist), Ahmed (auch aus Ägypten, der für eine Weile in Georgien ist) und den beiden georgischen Schwestern Maya und Lamara, die seit einigen Monaten in dem Hostel wohnen, zusammengesessen. Noemis Hostel ist ein bisschen moderner, materiell ist alles vorhanden, was ein Hostel braucht, aber der Charakter fehlt. Daher ist sie regelmäßig in Lauras Hostel zu Besuch und kann dort auch ab und zu übernachten. Was manchmal anstrengend ist, ist keine Privatsphäre zu haben, da wir beide jeweils in einem 8-Bett-Zimmer wohnen. Daher hatten wir uns überlegt, auch zu Silvester Tbilisi zu verlassen und ein paar Tage in Borjomi zu verbringen. Am Silvesterabend wanderten wir auf einen der Berge und schauten von oben auf die Lichter der Stadt und die Feuerwerke. Die anderen Tage regnete es in Strömen, sodass wir nicht mehr als ein paar kleine Spaziergänge machten.

In unserer freien Zeit in Tbilisi, entdeckten wir nach und nach immer mehr von der Stadt. Es ist eine schöne Stadt, in der wir viel zu Fuß erledigen können, da wir sehr zentral wohnen. Liegt ein Ort weiter entfernt, kann man dort sehr günstig mit der Metro (ca. 15 Cent pro Fahrt) hinfahren. Einen Abend nahm Noemi bei der Critical Mass teil (wie in vielen anderen Städten fahren hier viele Radfahrer einmal im Monat gemeinsam durch die Stadt, um sich für bessere Bedingungen für Radfahrer im Verkehr einzusetzen). Zusammen mit anderen Hostelmitbewohnern gingen wir Tischtennis spielen und in Bars mit (Live)musik oder spielten Karten. Laura traf an einem Abend ihren georgischen Bekannten Giga, den sie vor Jahren bei einer Internationalen Studentenwoche kennengelernt hatte. Mit Giga entdeckten wir ein Spielecafe, in dem es alle möglichen Spiele gibt und er zeigte uns einige neue schöne Ecken der Stadt. An einem anderen Tag ging Noemi mit einem Hostelmitbewohner zum georgischen Tanzen. Wir entdeckten einige schöne Cafes und probierten das georgische Gericht Kinkhali (so ähnlich wie Tortellini nur mit Griff). Es ist schön, mal wieder sesshafter zu sein und sich nach einer Weile immer besser auszukennen.

An einem Tag erhielten wir eine Antwortemail von einem Hostel im Skigebiet Gudauri. Laura hatte einfach mal angefragt, ob sie ggf. Freiwillige bräuchten und das war glücklicherweise der Fall. Bevor wir für vier Wochen nach Gudauri ziehen würden, rüsteten wir uns mit Rucksäcken, Schuhen (da unsere Turnschuhe zum Einen ungeeignet für den Schnee waren und begannen auseinanderzufallen) und warmen Handschuhen aus. Unser Plan war es, in unserer freien Zeit snowboarden zu lernen. Unsere Aufgaben im Hostel sollte sein, ein paar Wanderungen durchzuführen und GPS-Tracks davon zu erstellen und zukünftigen Hostelgästen zur Verfügung zu stellen. Außerdem Nachforschungen zu alternativen Aktivitäten (außer Ski- und Snowboardfahren) anzustellen und das alles auf der Hostel-Website festzuhalten. Unsere Fahrräder und Teile unseres Gepäcks konnten wir glücklicherweise bei dem „Warmshower“-Gastgeber Tamaz für diese Zeit unterstellen. Vorher hatten wir sie einmal gründlich geputzt und von dem Schlamm der letzten Wochen befreit.

Voller Vorfreude machten wir uns auf den Weg nach Gudauri. Genau wie nach Borjomi ist es am günstigsten mit einem Minibus (Marschrutka) anzureisen. Es kostet nur ca. 2-3 Euro. Die Busse fahre von der Metrostation Didube ab. Steigt man dort aus, befindet man sich in einem chaotischen Labyrinth aus Marktständen und hat es gar nicht so leicht, den richtigen Bus zu finden, da einem ununterbrochen Taxis und andere teurere Alternativen angeboten werden. Im Bus angekommen warteten wir noch eine Stunde, da die Busse meistens erst losfahren, wenn der Bus voll besetzt ist. Abends kamen wir in Gudauri an (die Fahrt dauert etwa zwei Stunden). Die erste Person, der wir auf dem kurzen Fußweg zum Hostel begegneten, war Viktor. Das war Sympathie auf den ersten Blick, er war zudem auch noch Snowboardlehrer und wohnte direkt die Straße runter. Im Hostel wurden wir von Eka begrüßt, die dort für die Saison wohnte, das Hostel leitet und ihre Kunst im Hostel ausstellt und es an vielen Ecken gestaltet. Hier haben wir sogar ein Zimmer für uns, was sehr schön ist; da ist es auch kein Problem, dass wir ein paar mal umziehen müssen. Gudauri ist ein sehr kleiner Ort und das Skigebiet noch im Aufbau. Gudauri liegt ca. 50 km entfernt von der russischen Grenze und Russisch ist hier auch die wichtigste Sprache. Wir wünschten uns sehr oft wir würden es sprechen, da die meisten Gespräche einfach auf Russisch geführt werden, anstatt auf Englisch. Viele der Touristen hier, die nur für einen Tag herkommen, kommen aus warmen, östlichen Ländern (viele Menschen die in Dubai wohnen). Sie haben oft noch nie vorher Schnee gesehen und es ist wirklich etwas besonderes sie dabei zu beobachten wie sie den Schnee entdecken. Zum Supermarkt läuft man etwa 30-45 Minuten und die Auswahl macht die Entscheidung, was wir kochen einfach 🙂 Am ersten Tag trafen wir Michael, den Hostelbesitzer, und besprachen unsere Aufgaben hier. Später hatten wir die Gelegenheit Skier von seinen Eltern auszuleihen, sodass wir spontan und Noemi zum ersten Mal Ski fuhren (Noëmi hat das für ihr erstes Mal wirklich sehr gut gemacht).

Die ersten paar Tage schneite es sehr viel und es war so neblig und bewölkt, dass wir Gudauri, die Berge und die schöne Aussicht erst an unserem dritten Tag hier zu sehen bekamen. Doch dadurch, dass es tagelang nur geschneit hat, hatten wir dann viel und schön weichen Neuschnee. Wir liehen uns Snowboards, Helme und Brillen, um mit dem Üben anfangen zu können. Viktor lieh uns netterweise Snowboardhosen und ein paar Schuhe, die er uns ins Hostel vorbeibrachte. Nachdem wir am ersten Abend selbst ein bisschen ausprobiert hatten, kam am nächsten Tag Lauras Hostelmitbewohner Arturs für einen Tag nach Gudauri. Er konnte uns schon ein paar gute erste Tipps geben. Sein Aufenthalt wurde etwas abenteuerlicher als gedacht, und Lauras erster Snowboardtag länger als angenehm, als er bei der letzten Abfahrt seine Gopro(-Kamera) verlor, die beiden an dem Abend vergeblich loszogen, sie zu suchen, er dann spontan eine Nacht blieb und die Kamera mit Glück am nächsten Tag wiederfand. In den nächsten Tagen übten wir weiter und fuhren öfters mit Viktor, der uns einiges beibringen konnte. Wir hatten gedacht durch das Fahrradfahren der letzten Monate hätten wir genug Muskeln in den Beinen – auf jedenfall waren es noch nicht genug zum Snowboarden. Einen Tag gab es knapp einen halben Meter Neuschnee und wir fuhren (bzw. purzelten und stürzten weich) eine fast unberührte Piste im Tiefschnee hinunter. So viel Schnee hatten wir noch nie zuvor gesehen! Fast jeden Tag fuhren wir mit Viktor oder tranken abends zusammen Tee, aßen zusammen Orangen oder etwas zu Mittag, entweder bei uns in einem der Hostelwohnzimmer oder nebenan in dem Gästehaus, wo Freunde von ihm arbeiteten. Einmal wurden dort Snowboardfilme gezeigt. An einigen Tagen unternahmen wir wir einige der Wanderungen, wodurch wir die Gegend und den Ort besser kennenlernten. Die Aussicht ist wunderschön und wir genießen das viele draußen sein und die frische Luft sehr.

Unsere Technik beim Snowboarden wurde immer besser und wir fielen seltener hin. Leider hatte Laura kurz bevor wir an einem Abend zu Hause ankamen einen Unfall im Tiefschnee, wobei sie sich ihr Knie verdrehte. Nachdem es nicht besser wurde, fuhr sie am nächsten Tag nach Tbilisi, um das Knie von einem Arzt anschauen zu lassen. Dieser sagte, dass sie 6 Wochen erstmal leider keinen Sport machen sollte, damit das Innenband Zeit hat sich zu erhole 🙁 Laura ist allerdings guter Dinger, sie trainiert fleißig ihr Knie und der Schmerz laesst immer weiter nach. Vielleicht kann sie also doch noch mal die wunderschonen georgischen Berge runterfahren, bevor wir weiterreisen. Momentan ist sie wandernd unterwegs und hat gestern ein leckeres Mittagspicknick für Viktor und Noemi mit auf den Berg gebracht.

Unser Silvesterausblick über Borjomi.

Von Borjomi nahmen wir den Zug zurück nach Tbilisi.

Unsere Aussicht in Gudauri die ersten Tage.

Der Tiefschnee erschwerte uns das Einkaufen sehr.

Es hörte einfach nicht auf zu schneien.

Viktor und Noemi im Schnee versunken.

Zeit zu graben.

Noemis elegante Art zu bremsen.

Laura geniesst „Powder Day“.

 

Wo geht es als nächstes hin?

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კეთილი იყოს თქვენი მობრძანება საქართველოში

English

Aufgrund des schlechten Wetters (bis zu 100 l/m2 Regen pro Tag) verbrachten wir einige Tage länger als geplant in Batumi, wo wir uns in dem Hostel bald schon sehr heimisch fühlten. Wir machten es uns an den grauen Tagen drinnen gemütlich, spazierten ein wenig durch das Viertel und ans Meer, das wir direkt aus unserem Fenster sehen konnten. An unserem Abreisetag schien die Sonne und die Grauheit und Nässe der letzten Tage waren wie vergessen. Unsere ersten Eindrücke waren der manchmal sehr unberechenbare Verkehr, in dem man alles mögliche erleben kann (wie das Fahrzeuge auf der Bundesstraße rückwärts durch einen knapp ein Kilometer langen Tunnel fahren) und an dem jedes Fahrzeug, das noch Fahren kann teilnimmt – oft mit fehlenden, angeklebten oder angebundenen Bauteilen. Zebrastreifen und grüne Ampelphasen funktionierten hier jedoch wieder besser als in der Türkei. Raus aus der Stadt staunten wir über die zum Teil märchenhaft schöne Natur und auch die märchenhaft erscheinende Schrift, die nochmal einige Level schwieriger ist als das kyrillische Alphabet. Solange wir noch in Reichweite des Schwarzen Meeres waren, waren die Temperaturen winterlich mild und mit Sonne manchmal sogar angenehm warm. Das Zelten ging gut, allerdings waren alle Sachen morgens immer ziemlich feucht.

Eines Morgens wurden wir von Regentropfen auf unserem Zelt wach. Da das Wetter im Laufe des Tages eher schlechter als besser werden sollte, bauten wir noch vor Sonnenaufgang schnell alles ab und brachen auf. Direkt nach dem wir aufgebrochen waren, begegneten wir einer Frau mit einer Kuh und einem gerade frisch geborenen Kälbchen. Unglücklicherweise befanden wir uns an diesem regnerischen Tag auf einer der schlammigsten und für Autos bereits unpassierbaren Straßen auf unserer Reise. Die zehn Kilometer legten wir im Rekordtempo von etwa 4 km/h zurück und waren froh eine asphaltierte Straße zu erreichen. Der Regen an dem Tag machte zwischendurch maximal 15 Minuten Pause, deshalb beschlossen wir uns bei einem Haus unterzustellen, wo Laura sich um unsere Bremsen kümmerte, die aufgrund der Nässe bzw. abgefahrenen Bremsbelägen nicht mehr funktionierten. Da wir ziemlich nass und kalt waren, beschlossen wir den nächsten Ort mit einer Unterkunft, Samtredia, anzusteuern und uns und unsere Sachen dort zu trocknen. Die erste Unterkunft, die wir ansteuerten war schon über den Dreck auf der Fußmatte draußen so empört, sodass wir uns dort nicht wohlfühlten und ihnen wohl nicht antun konnten unsere vom Tag leider nicht unverschmutzt gebliebenen Taschen dort hineinzutragen. In der zweiten Unerkunft schien es das genaue Gegenteil zu sein. Die ältere Dame half mit, Gepäck samt Fahrrädern nach drinnen zu bringen und bot uns (alles natürlich mit Hilfe von Zeichensprache) an, die Waschmaschine zu benutzen. In unserem Zimmer konnten wir alles ausbreiten, sodass wir am nächsten Morgen alles trocken einpacken konnten. Nachdem wir am nächsten Morgen jeweils noch das zweite Set Bremsen gefixt und die Räder ein bisschen geputzt hatten, ging es weiter durch die Dörfer.

Entlang der Straße, die wir fuhren grenzte ein Dorf an das nächste, sodass es nicht so einfach war Zeltplätze zu finden und wir oft dicht an Grundstücken zelteten. Eines Abends begegneten wir Padri, der dort vorbeilief, wo wir unser Zelt aufbauen wollten. Nur mit Zeichensprache (und auf Georgisch) erklärte er uns, dass er gegenüber wohnte und lud uns zu sich und seiner Frau Manana ein. Dort saßen wir am warmen Ofen, besichtigten ihre Gewächshäuser, wo Salat, Rucola und Spinat wuchsen und halfen, wie später ein paar Frauen aus der Nachbarschaft die Frühlingszwiebeln vorzubereiten. Wir wurden mit viel leckerem Essen versorgt, Manana wärmte Wasser auf dem Ofen, mit dem wir uns später waschen konnten und nachts durften wir in einem großen Bett schlafen. Erfüllt von so viel Gastfreundschaft, ging es am nächsten Tag nach einem leckeren Frühstück weiter.

An diesem Tag überquerten wir die auf 920 m höchstgelegene Stelle unserer Tour von Batumi nach Tiflis. Durch die Berge und immer mehr Schnee, der diese bedeckte erreichten wir den höchsten Punkt erst zur Dämmerung. Dort erwartete uns ein etwa 2 Kilometer langer und schlecht belüfteter Tunnel voll mit Abgasen. Tunnel sind auf dem Rad meist nicht sehr angenehm zu befahren. Danach steuerten wir den nächstmöglichen Platz zum Zelten an und bauten unser Zelt im Schnee in einer Art Park hinter einigen Häusern auf. Die Nacht war die bis jetzt kälteste auf unserer Tour, nur mit Mühe bekamen wir den Gaskocher zum Laufen und am Morgen war das Wasser in unseren Trinkflaschen gefroren. Von dort aus machten wir uns auf den Weg nach Gori (der Geburtsstadt Stalins), in der wir in einem Hostel übernachteten und einen Pausetag einlegten. Nach einer letzten Nacht im Zelt und durch wunderschöne Landschaften hindurch erreichten wir schließlich Tbilisi (Tiflis). Auf dem Weg entdeckten wir noch das georgische Kappadokien, genannt Uplistikhe, und sahen viele georgische Kirchen.

Im Vorhinein hatten wir teilweise über workaway Hostels kontaktiert, wo wir im Gegenzug für etwa 15-20 Stunden Arbeit die Woche umsonst wohnen können. Wir wollen eine Winterpause in Tbilisi mit noch unbestimmter Länge einlegen. Diese wird vor allem von den Wetterbedingungen und unseren Weiterreiseplänen abhängen, die wir in den nächsten Wochen nochmals in alle Richtungen recherchieren werden, und davon wie es uns in Tbilisi und den Hostels gefällt. Lauras Hostel ist in einem über 200 Jahre alten Haus gelegen und wird von einer Anzahl unterhaltsamer Charaktäre größtenteils für längerer Zeit bewohnt (es gibt auch einen hosteleigenen DJ). Noemis Hostel hatte ihre Ankunft leider verplant, sodass sie die ersten Tage zunächst in Lauras Hostel unterkam. Dort ergab sich die Möglichkeit in einem befreundeten Hostel direkt um die Ecke zu arbeiten. Beide Hostels liegen sehr zentral, quasi am Kudamm von Tiflis, der sogenannten Shota Rustaveli Avenue. Ein paar Tage nach unserer Ankunft stand direkt Weihnachten an! Da wir den 24. gemütlich verbringen wollten und sich die Hostels wegen Trubel und kein Privatraum nicht so sehr zum Feiern anboten, verbrachten wir Weihnachten in einer kleinen AirBnb-Wohnung direkt um die Ecke. Dort gab es sogar einen Ofen, sodass wir Weihnachsplätzchen backen konnten und ein leckeres Essen zubereiten konnten. Mit Kerzen und unter einem improvisierten Weihnachtsbaum machten wir sogar eine kleine Bescherung! In Georgien wird zwar auch Weihnachten gefeiert und in unserem Stadtviertel gibt es sehr viel Weihnachtsbeleuchtung, aber die Feier ist hier erst am 7. Januar, wo Väterchen Frost die Geschenke bringt. Deswegen war hier am 24. kein Feiertag, die Geschäfte alle geöffnet und die Straßen trubelig voll.

Am Morgen des ersten Weihnachtstages ging es wieder zurück in die Hostels. Diese sind beide nicht sehr voll, da es Nebensaison ist. Wir freuen uns auf die Zeit hier, die Stadt zu entdecken, mal wieder sesshaft zu sein und sind selbst sehr gespannt auf unsere Weiterreisepläne! Trotz Fahrradwinterpause werden wir euch aber dennoch hier über unsere Erlebnisse hier in Tbilisi und wie es dann weitergeht auf dem Laufenden halten.

Unser erster Morgen in der Natur von Georgien.

Der Blick von unserem Zeltplatz.

Wir haben den georgischen Verkehr soweit es ging gemieden.

Der Blick auf die Berge bevor der Regen kam.

Der Aufbruch im Regen.

Bremsbelege wechseln und Bremse einstellen mit eiskalten Fingern.

Am naechsten Tag gab es wieder Sonne.

Fruehlingszwiebeln aus dem Garten bereit fuer den Verkauf machen.

Das gute Essen frisch aus dem Garten von Padri und Manana.

Unsere erste Nacht im Schnee.

Die Dorfstrasse.

Nachdem wir fuer uns schon eine Weile duch den Schlamm gekaempft haben, endete der Weg hier und ging auf der anderen Seite weiter.

Unser campinplatz neben der Fluss.

Irgendwann haben wir eine Bruecke ueber den Fluss gefunden.

Fahrraeder vom Schlamm befreien.

Happy Day!

Betten umräumen in Lauras Hostel in Tbilisi.

Weihnachtsfruehstueck.

Noemi backt ihre beruehmten Haselnuss Weihnachtskekse.

Weihnachtslichter am Platz der Freiheit.

Unser Weihnachtsessen.

Die Blume hat den Weihnachtsbaum dieses Jahr ersaetzt.

Strassen von Tbilisi.

Der Blick auf Kartlis Deda.

Friedensbruecke.

Rike Park.

Die natuerlichen Schwefel Baeder von Tbilisi.

 

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Schnee und Palmen. 

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Von Ünye aus fuhren wir die angenehm ebene Straße direkt am Meer entlang. Hier war eine ganz andere Natur als wir die Tage und Wochen zuvor gesehen hatten. Es gab Palmen und vor allem viel saftiges Grün! Die Schwarzmeergegend ist bekannt für Tee und (Hasel)Nüsse, die hier angebaut werden. Die Küste ist recht dicht bebaut, aber die Aussichten sind schön: im Vordergrund das Meer, dahinter grüne Hügel und ganz im Hintergund die mit Schnee bedeckten Berge. Ein Problem an Noemis Rohloff löste Laura heldenhaft, sodass wir nicht – wie schon kurz befürchtet – noch einmal nach Istanbul zurückmussten (denn der nächste Rohloffstützpunkt befindet sich in Bangkok).

Zwischen Fatsa und Ordu gibt es eine Halbinsel, an deren Spitze das kleine Dorf Yason liegt. Dort wiederum an der Spitze gibt es eine Kirche, einen Leuchtturm und ein kleines gemütliches Cafe. Das hatten uns Can und Petek aus Ankara empfohlen und gesagt, dass es dort einen sehr leckeren Haselnussnachtisch gibt und wir dort möglicherweise auch zelten können. Als wir dort ankamen, war es bereits kalt und dunkel und wir beschlossen uns zunächst im Cafe aufzuwärmen und etwas zu essen. Zelten war gar kein Problem, aber wir sollten nicht direkt beim Cafe sondern ein kleines Stueck weiter raus bei der Kirche aufbauen. Als wir schon im Zelt lagen, kam ein nächtlicher Halbinselbesucher an dem sonst sehr einsamen Ort vorbei, bei dem wir uns kurz vorstellten bevor er weiterging. Etwa eine halbe Stunde später hoerten wir weiteren Besuch ankommen und wir sahen, dass es sich um die Polizei (Jandarma) handelte. Nach einem kurzen Hin und Her meinten die drei, es wäre zu gefährlich dort zu zelten und wir sollten abbauen und sie würden uns zu einem Hotel fahren. Es dauerte (natürlich) länger als 5 Minuten (wie sich das die Polizistin gewünscht hatte), um alles abzubauen und einzupacken. Dann wurden wir samt Fahrrädern und Gepäck tetrismäßig im Polizeiauto untergebracht und begleiteten sie auf ihrer nächtlichen Streife bis zu einem Hotel in Perşembe. Ein Glueck lag das auch in der Richtung, in die wir am naechsten Tag fahren wollten. Ob es wirklich gefährlich war, oder sie, wie die meisten, denen wir begegnen, finden, dass es für zwei Frauen generell zu gefährlich zum Zelten ist, wissen wir nicht. Letztendlich waren wir ihnen jedoch sehr dankbar, da es später in der Nacht begann in Strömen zu regnen. Am nächsten Tag war das Wetter nicht anders und wurde im Laufe des Tages nur noch schlechter und so beschlossen wir spontan einfach einen gemütlichen Pausetag einzulegen und noch eine zweite Nacht dort zu bleiben 🙂 

Da das Wetter vor allem hier an der Küste immer ungewiss ist, suchten wir uns für die naechsten Tage Gastgeber über Couchsurfing oder Warmshowers. Die Fahrbedingungen entlang der Küste sind sehr gut: es gibt aphaltierte Strassen, meist mit Glück gutes Wetter und vor allem so gut wie keine Hügel. So fuhren wir an zwei Tagen mehr als 200 km (und stellten einen neuen Tagesrekord von 110 km auf 🙂 ). Relativ haeufig fuhren wir durch Tunnel, was auf dem Rad manchmal gar nicht so angenehm ist. Sie sind zwar im Gegensatz zu anderen Tunneln auf unsere Reise beleuchtet, aber es ist ziemlich laut und die Autos fahren manchmal zu dicht vorbei, da es in den Tunneln enger ist. In Espiye warteten wir auf unseren Gastgeber Emre in einem kleinen Cafe. Dort kamen wir mit den netten Mitarbeitern ins Gespraech, und eine von ihnen (Ferda) haette uns am liebsten direkt zu sich nach Hause eingeladen. Mit Emre und seinem Freund Haluk assen wir zu Abend, spielten zusammen und hatten in der Nacht eine ganze Wohnung für uns, da Emre und Haluk bei ihren Familien übernachteten. Am naechsten Morgen besuchten wir noch einmal das Cafe und lernten noch Ferdas kleine Schwester und ihren Vater kennen und wurden dort sehr herzlich aufgenommen und mit Picknick für den Weg versorgt. Von Espiye aus fuhren wir weiter nach Trabzon zu Tuğçe und Davut, bei denen wir super lecker bekocht wurden und einen Pausetag einlegten, um uns auszuruhen. Zusammen mit Tuğçe schauten wir uns Trabzon ein wenig an. Weiter ging es dann nach Rize, wo wir in Burak, Sözer, Mustafa, Şamil und Huseyins Studenten-WG unterkommen durften. Zusammen sind die fuenf wie eine kleine Familie zueinander und kuemmerten sich geradzu entzueckend um uns. Das wurde auch nochmal besonders deutlich, als Samil wegen seines Blinddarmes ins Krankenhaus musste. Immer war einer seiner Freunde bei ihm, damit er nicht alleine war. Fuer ein paar Tage fuehlten wir uns wie zu Hause und wurden zu Mitbewohnern und Freunden. Zusammen auch mit ihrem Freund Emre unternahmen wir viele schoene Dinge: wir assen ganz besonderen Milchreis (sutlac), besuchten ein Museum und Teecafes, die eine besonders schoene Aussicht hatten, besichtigten einen Lernort fuer Kinder (ausserhalb der Schule), wo sie alle als Freiwillige arbeiteten, spazierten durch Rize und spielten viel abends. Die Abreise fiel uns fast so schwer wie noch nie. Reich beschenkt und mit einem Lunchpaket fuer unterwegs versorgt, machten wir uns traurig ueber den Abschied, aber gluecklich ueber diese besondere schoene Zeit wieder auf den Weg.

In Rize waren wir oefters mit Minibussen untergwes gewesen, die nicht viel groesser als ein grosses Familienauto in unglaublichem Tempo und mit moeglichst hoher zeitlicher Effizienz unterwegs sind. Halten tut der Bus eigentlich nie, es ist nur eben Zeit rein und rauszusteigen. Das Bezahlen wird waehrend der Fahrt geregelt, wobei Geld und Rueckgeld oft durch viele Haende zum Busfahere nach vorne durchgereicht werden. Das Stoppen erfolgt nach Bedarf, da es keine festen Stationen gibt, muss man an der gwuenschten Stelle dem Fahrer bescheidgeben.

Der naechste Ort nach Rize heisst Findikli, was uebersetzt (mit)Haselnuss bedeutet. Dort wohnten wir fuer zwei Naechte bei Melih und seiner Familie. Ganz begeistert waren wir von ihrem schoenen Garten mit unglaublicher Aussicht auf die schneebedeckten Berge, Teepflanzen und Haselnussbaeume. Die Familie hat Tee, Nuesse, Kiwis und Khakifruechte aus eigener Ernte. Weiter ging es nach Kemalpasa, das direkt an der Grenze zu Georgien liegt. Mit unserem Gastgeber Yener ging es mit Minibus und per Anhalter hoch in die Berge, wo wir einen besonderen See (Karagoel) besuchen wollten. Die letzten sechs Kilometer mussten wir zu Fuss gehen, da die Strasse voller Schnee war. Leider mussten wir vorzeitig umkehren, da es schon dunkel wurde. An unserem Abreisemorgen waren wir noch bei einer befreundeten Familie von ihm zum Fruehstueck eingeladen. Dann packten wir und machten uns vorbei an langen LKW-Schlangen auf den Weg zur Grenze. Das fuehlte sich nun nach so langer Zeit komisch an, die Tuerkei wieder zu verlassen. In den fast drei Monaten, die wir hier gewesen waren, hatten wir viel gesehen, erlebt und gelernt und alles war uns ein wenig vertraut geworden.

Durch die Grenze kamen wir, da wir weder Fussgaenger, Auto noch LKW waren, gluecklicherweise sehr schnell und ohne in der Schlange zu warten. Bis nach Batumi, dem sogenannten Las Vegas des Schwarzen Meers, fuhren wir nur eine knappe Stunde von der Grenze aus und genossen dabei die Aussicht auf das Meer und den Sonnenuntergang. Von unserer Gastgeberin von Couchsurfing hatten wir leider nicht mehr zurueckgehoert, sodass wir uns dann ein Hostel suchten. Mit vereinten Kraeften halfen uns die Hostelmitarbeiter, Raeder und Gepaeck nach oben in den dritten Stock zu bringen. In Batumi wollen wir nun planen, auf welchem Weg wir am besten nach Tbilisi (Tiflis) kommen, wo wir vorhaben eine Winterpause einzulegen.

Auf der Halbinsel war es ruhig und es gab wenig Verkehr.

Die Aussicht von der Halbinsel.

Bei unserem Spaziergang durch Trabzon.

Unterwegs mit Tugce in Trabzon.

Trabzon.

Unser erster Abend in Rize.

Samil nach seiner Operation im Krankenhaus.

Soezer und Hueseyin spielen zusammen in einem Team. Den beiden faellt es schwer sich zu einigen.

Uns zu verabschieden fiel uns nicht leicht.

Die Aussicht von Melihs Haus in Findikli.

Trauben aus Melihs Garten./ Grapes from Melihs garden.

Per Anhalter fahren macht muede. Im LKW mit Yener auf dem Weg zum Karagoel.

Teepause bei einem Freund von Yener.

Ab hier ging es dann zu Fuss weiter.

Unser erster Sonnenuntergang in Georgia.

Fahrradweg in Batumi.

Noemi ist geschafft.

 

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