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Rolling East Posts

Nu wordt het pittig, dames.

English

An unserem vorletzten Abend in Göreme lernte Laura noch ein Rummikubähnliches Spiel, das hier typischerweise von Männern in vielen Cafes gespielt wird. Am Tag vor unserer Abreise machten wir nur eine kleine Tour mit dem Fahrrad zu einem ganzen Höhlendorf in einem Felsen. Lauras Fuß tat seit der Wanderung mit Muhsin ein wenig weh und so war Noemi am Tag zuvor alleine auf Tälerentseckungstour gewesen. Am Abend zuvor hatten unsere Gastgeber für uns gekocht, also waren wir diesmal dran mit kochen und probierten später Raki, den berühmtesten türkischen Schnaps. Am Morgen unserer Abreise standen wir noch einmal zu Sonnenaufgang auf, um ein zweites Mal den Ballons zuzusehen. Nach einem letzten gemeinsamen Frühstück, verabschiedeten wir uns noch bei Mustafa und waren dann wieder unterwegs in neue Gebiete und Orte. Kurz bevor wir an diesem Abend stoppten, um einen Zeltplatz zu suchen, hielt ein Auto neben uns und der Fahrer reichte uns Obst und Gemüse. Wenige Minuten später kam er zurück und reichte uns eine Tüte mit Keksen, Wasser und Crackern, die er in der Zwischenzeit in einem Laden besorgt haben muss. Wir haben uns sehr darüber gefreut.

An mehreren Tagen hatten wir im Gegensatz zu dieser Situation einige unangenehme bzw. nervige aber nicht gefährliche Situationen mit jungen Männern, wo z.B. Autos oder Roller oft an uns vorbeifuhren oder uns einige Kilometer folgten. Vielleicht wäre das anders, wenn mindestens einer von uns ein Mann wäre. Da wurde uns nochmal bewusst, wie unterschiedlich Erlebnisse aufgrund des Geschlechts sein können. So waren wir umso dankbarer als wir nach einer solchen Begegnung in ein Dorf kamen, wo sich schon bald zusätzlich zu der älteren Frau und ihrem Enkel, die wir nach einem Ort zum Zelten gefragt hatten, mehrere zur Hilfe gerufene oder zufällig passierende Nachbarn und Dorfbewohner versammelten, um zu versuchen uns einen Schlafplatz zu organisieren. Das war gar nicht so einfach, da wir uns kaum verständigen konnten. Da war die Erleichterung bei allen Umstehenden groß, als schließlich ein Auto neben uns anhielt und es sich herausstellte, dass die Familie im Auto Englisch sprechen konnte. Einige Momente später stellten wir fest, dass sie nicht nur Englisch, sondern Niederländisch sprachen und es eine niederländisch-türkische Familie war, die eigentlich in Hilversum wohnte. Spontan luden sie uns ein, die Nacht einfach bei ihnen im nächsten Dorf zu verbringen. So lieb und spontan von ihnen und vor allem eine so schön und angenehm vertraut niederländische Art 🙂 (wir haben beide eine Weile in Amsterdam gelebt und studiert). Letztendlich verbrachten wir zwei Nächte bei Nurdan, Mehmet, Arda und Emin, wurden mit super leckerem Essen versorgt, schliefen auf den sehr gemütlichem Schlafsofas, konnten unsere Wäsche waschen und bekamen am nächsten Tag eine persönliche Führung von Nurdan durch das Dorf. Dabei lernten wir neben vielen anderen Dorfbewohnern ihre Eltern kennen, die einen tollen Garten haben und viel selbermachen. Sehr beeindruckend waren die vielen Bienenvölker, die teilweise in aus Kuhfladen und Holz gebauten Bienenstöcken wohnen. Mittags aßen wir in einem kleinen Fischrestaurant, von dem man die Becken mit den Fischen direkt sehen kann. Laura und Emin versuchten zusammen Fische mit der Hand zu fangen. Als wir gehen wollten, erfuhren wir, dass bereits ein Mitarbeiter des Rathauses, der dort ebenfalls gegessen und sich mit uns unterhalten hatte, für uns bezahlt hatte. Am nächsten Morgen hatte Nurdans Mutter Börek und Omaç (Dürüm mit in Butter und Ei gebackenem Brot gefüllt) für uns zum Frühstück vorbereitet hatte und uns auch reichlich mit Essen für unterwegs ausstattete. Mehmet und Nurdan verabschiedeten uns später und winkten uns noch lange hinterher. Dankjulliewel!! Het was geweldig om jullie te ontmoeten!

Die nächsten Tage fuhren wir durch wunderschöne hügelige und weite Landschaft, wo man meist kilometerweit gucken konnte, auf einer Höhe von um die 1200 m und fanden immer ein paar der wenigen Bäume, um zu zelten. Eine Nacht verbrachten wir in der Nähe eines Dorfes, wo uns ein Bauer noch eine gute Wiese zeigte, um unser Zelt aufzubauen. Später kamen er und der Imam des Dorfes noch vorbei, um uns seine Nummer zu geben, damit wir anrufen können, falls es Probleme gibt. Am nächsten Tag hatten wir in einem kleinen Dorf gerade begonnen ein Picknick zu machen, als uns ein paar der dort wohnenden Frauen uns entdeckten. Kurz darauf brachten sie auf einem silbernen Tablett viele selbstgemachte Speisen für uns und holten weitere Verwandte und Nachbarn herbei. Verständigen konnten wir uns kaum, doch die Stimmung war bestens und es wurde viel gelacht. An diesem Abend fuhren wir noch bis nach Tokat. Da wir jedoch spät losgefahren waren und die Pause dann länger dauerte als geplant, mussten wir die letzten 30 km im Dunkeln (und Kalten) zurücklegen. Dort angekommen wurden wir sehr herzlich von Gamze und ihrer Familie begrüßt. Die gesamte Familie samt Großmutter war im Wohnzimmer versammelt um uns zu empfangen, sie hatten ein sehr leckeres Willkommensabendessen vorbereitet, Melih (Gamzes jüngerer Bruder) hatte Sätze und Fragen für uns auf Englisch vorbereitet und es war eine schöne und lustige Atmosphäre. Wir durften in Gamzes und Damlas (ältere Schwester) gemütlichen Betten schlafen. Am nächsten Tag besichtigten wir einen Turm (mit Uhr, aber kein Kirchturm. Auf Englisch: clocktower), fuhren bzw. schoben unsere Fahrräder den Hügel hoch, wo sich die Ruine einer Burg befand und genossen die Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Hügel. Dort picknickten wir auch und aßen Sonnenblumenkerne, die noch in der Schale sind (wie man das elegant macht, haben wir auch erst hier in der Türkei gelernt). Später gingen wir noch auf einen Markt und tranken Tee. Abends waren wir von Mahmut, der uns Gamze und ihre Familie vermittelt hatte und einen Sportverein leitet, und einem Freund von ihm, der ihm Hotel arbeitet, zu einem leckeren Abendessen in dem sehr schicken Hotel eingeladen. Dort war auch Zeynep (Mahmuts Tochter), die später am Abend für uns sang. Nach dem Abendessen waren wir zusammen mit Gamze und Damla zu unserem ersten türkischen Hamam und Sauna eingeladen! Letztendlich blieben wir noch eine Nacht länger und extra für uns wurde sütlaç (Milchreis) und haşhaş(Mohn)-Börek zubereitet. Abends unternahmen wir mit Gamze und Melih noch eine kleine Fahrradtour und spielten Basketball auf einem Sportplatz in der Stadt. Am Abreisetag begleitete uns Gamze noch bis zum Ortsschild. Unterwegs machten wir in der Nähe einer Polizeistation Pause (die hier manchal wie kleine Ritterburgen aussehen) und wurden sofort eingeladen zu Tee und baclava (süßes Gebäck). Viel schneller als gedacht erreichten wir die kleine Stadt Niksar, wo uns Mahmut einen Gastgeber, nämlich Tunay vermittelt hatte. Dieser empfing uns in dem kleinen Museum wo er arbeitete. Nach Feierabend besichtigten wir die Burg der Stadt, eine fast 1000 Jahre alte Moschee, tranken Tee und aßen Pide. Schon Abends begann ein strömender Regen, der bis zum nächsten Tag andauerte. So waren wir unschlüssig, ob wir aufbrechen sollten, da die Strecke, die uns erwartete nicht einfach war, sondern uns 30 km Anstieg bevorstanden. Den Vormittag verbrachten wir im dem Museum benachbarten Internetcafe, wo wir am Blog arbeiten konnten. Schließlich entschieden wir uns doch loszufahren und strebten an, den 18 km entfernten Campingplatz zu erreichen. Als der Regen stärker wurde, beschlossen wir, zu versuchen bei einem Auto mitzufahren. Kurz darauf hielt ein Auto an und wir luden die Räder und das Gepäck auf die Ladefläche. In dem Moment, wo wir einstiegen begann es zu schneien! Aufgrund eines sprachlichen Missverständnisses fuhren wir nicht nur bis zum Campingplatz sondern noch mehr als 100 km weiter, über die Berge und durch den Schneesturm bis ans Schwarze Meer nach Ünye. Dort hatten wir gedacht, erst zwei Tage später anzukommen, das war jetzt ganz schön schnell gegangen! Am Meer gab es keinen Schnee. Es war schon spät und unser Fahrer hatte vor, in einem Hotel zu übernachten und bestand darauf, auch ein Zimmer für uns zu bezahlen, obwohl wir sagten, dass Zelten kein Problem wäre. Vor der Zimmertür lag direkt das Meer. Dies war auch wieder ein Tag gewesen, dessen Ausgang wir uns morgens nicht hätten vorstellen können. Die Schwarzmeerküste ist quasi die Zielgerade auf dem Weg nach Georgien. Es sind noch gute 400 km bis zur Grenze, das sollte zeitlich gut zu schaffen sein. Dem Schnee waren wir also gerade noch so entkommen. Auch Nurdan und Mehmet hatten geschrieben, dass es nur wenige Tage nach unserer Abreise begonnen hatte zu schneien.

 

Unser letzter Abend in Göreme wurde mit türkischem Raki gefeiert.

Am Morgen bevor wir weitergefahren sind, standen wir früh auf um den Sonnenaufgang zu sehen bevor wir weiterfahren. 

Laura und Emin versuchen Fische zu fangen.

Unsere herzlichen Gastgeber Nurdan, Mehmet und Joe in Sırçalı.

Noemi macht den Abwasch. 
Waehrend unserer Mittagspause in einem kleinem Dorf.
Auf 1400 Meter mitten im Nichts. 
Mit Damla und Gamze auf dem Weg zur Tokat Castle. 

Melihs vorbereiteter Zettel für uns.

Damla praesentiert ihren Börek. 

Wir verlassen Tokat, um weiter nach Niksar zu fahren.

Moschee in Niksar.

Bereit für die Moschee; Schuhe aus, Kopftuch auf.

Der Blick von unserem Hotelzimmer in Ünye.

Und der Fahrradweg endet wie so oft im Nichts.

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Kappadokien.

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In Aksaray machten wir einen Pausetag, an dem wir Kekse backten und uns um den Blog kümmerten. Abends kamen Gürkan, Turgay nach seiner Arbeit und noch zwei Freundinnen von ihm vorbei und Turgay brachte uns bei, wie man Backgammon spielt. Am naechsten Tag machten wir uns wieder auf den Weg und hatten ein von Turgay frisch für uns gebackenes Brot dabei 🙂 Nachdem wir Aksaray verlassen hatten, erbot sich uns eine traumhaft schöne Landschaft mit der Aussicht auf viele Hügel und die Berge bzw. Vulkane  Erciyes Dağı (3917 m) und Hasan Dağı (3268 m). In der ersten Nacht nach Turgays warmer Wohnung wurde es -4°C und wir waren sehr froh über die waermeren Schlafsaecke. Es war für uns das erste mal auf dieser Reise, dass wir nachts Minusgrade hatten und wir morgens eine dünne Eisschicht auf dem Zelt vorfanden.

Nachdem wir am naechsten Morgen alles wieder eingepackt hatten und uns auf den Weg weiter gen Osten machten, trafen wir zwei andere Langstreckenfahrradfahrer. Sie waren aus Nepal unterwegs nach Frankreich, kamen also aus der Richtung in die wir fahren würden. Wir tauschten einige Wegerfahrungen aus und erfuhren, dass es sehr schön und ruhig am Rande von Selime sein sollten. Dort fanden wir etwas abseits des Ortes eine Ansammlung einiger sogenannter ‚Fairy Chimneys‘ (Feenkamine) in denen unzaehlbare Höhlenhaeuser, -kirchen und Tunnel waren. Wir waren so begeistert davon, dass wir den Rest des Tages damit verbrachten von Höhle zu Höhle zu klettern. Die Vulkane Erciyes Dağı, Hasan Dağı und Melendiz Dağı sind zahlreiche Male ausgebrochen, wodurch sich viel Tuffasche ablagerte. Die Schichten, die sich daraus ergaben, unterschieden sich in Farbe und Härte. Das weiche Material wurde durch die Witterungseinflüsse ausgespült, sodass nur noch das härtere Material übrig blieb, die sogenannten Feenkamine.

Bei der Erkundung unserer ‚Nachbarschaft‘ fanden wir immer wieder verstecke Eingaenge und Aufstiege, die manchmal nicht so leicht zu beklettern waren. Wir fanden viele Kapellen, Kirchen und Wohnhäuser, teilweise mit Resten von Wandbemalungen und in den Stein gehauene Ablageflaechen, Sitzgelegenheiten, Treppen, Rundbögen und Saeulen. Wir schlugen unser Zelt schliesslich in einer grossen Höhle auf. Am naechsten Tag versteckten wir unsere Fahrraeder und unsere Taschen in einer der hinteren Höhlen und wanderten im Ihlara Tal. Hier waren noch viel mehr Höhlen, die weiter oben in den Felsen waren. Die Entdecker in uns wurden geweckt und wir hatten wirklich viel Spass beim herumklettern. In Belisirma trafen wir einen Restaurantbesitzer den wir schon am Tag zuvor auf der Landstrasse nach Selime getroffen hatten. Er ludt uns zum Çay (Tee) ein und wir kamen ins Gespraech mit ihm und seinen Mitarbeitern. Wir verabredeten uns spaeter zusammen ein Feuer in unserer Höhle zu machen. Auf dem Rückweg wurden wir in dem Auto von drei Pepsivertretern mitgenommen, die gerade geschaeflich in der Gegend unterwegs waren. Zuhause machten wir uns an die Arbeit unseren Schlafplatz aufzubauen und Feuerholz zu sammeln, bevor es anfangen sollte zu regnen. Spaeter als gedacht kam unser Besuch aus Belisirma mit Kartoffeln, Auberginen und Bier und wir machten uns einen gemütlichen Abend/Nacht am Feuer waehrend es draussen regnete.

Am naechsten Tag machte der Regen keine Pause und der Wetterbericht versprach, dass sich dies bis zur Nacht nicht aendern sollte. Wir versuchten uns also wasserdicht zu verpacken, wobei unsere Füsse jedoch leider nach ein paar Stunden nicht mehr trocken waren. Uns war sehr kalt und wir waren bereit für das erste Mal auf dieser Reise ein Hotel zu buchen. Nach einem Gespraech mit den Einheimischen eines groesseren Ortes stellte sich herraus, dass sich das naechste Hotel zu weit weg befand. Zu unserem grossen Glück organisierte einer der Mitarbeiter des Supermarktes in dem wir gefragt hatten, dass wir bei einer Familie im Ort die Nacht verbringen durften. Dort angekommen wurden wir sofort vor den warmen Holzofen im Wohnzimmer gesetzt. Das war der einzige beheizte Raum im ganzen Haus, in dem sich das komplette Familienleben abspielte und zwischenzeitlich 10 Familienmitglieder aus drei Generationen anwesend waren. Es gab viel leckeres Essen und dazu sitzt man nicht an einem Esstisch, sondern um ein grosses Tablett herum, dass auf dem Boden auf einem Kissen steht. Eine Tischdecke, die drunter liegt, kann man sich auf den Schoss legen. Auf dem Tablett stehen viele verschiedene Gerichte, von denen jeder direkt mit seiner Gabel essen kann. Eigentlich zu jeder Mahlzeit gibt es hier viel Brot (ekmek), wovon fast jeder eins auf dem Schoss hat und man sich einfach sovıel abreisst wie man essen möchte. An diesem Abend wurde unsd auch beigebracht, wie man Granataepfel richtig isst.

Am naechsten Tag hatten wir noch 70 km bis nach Göreme wo wir von Muhsin, einem Couchsurfer, erwartet wurde. Da wir erst Mittags bei der Familie aufgebrochen waren, fuhren wir ohne grosse Pausen durch, um noch vor Sonnenuntergang (der inzwischen schon um 17:30 Uhr ist) in Göreme anzukommen. Wir fuhren durch den schönen Ort Uçhisar und kamen schliesslich in Göreme an. Der Ort ist sehr touristisch und wie Muhsin uns erzaehlte befinden sich in dem kleinen Ort Göreme mit ca. 2000 Einwohnern mehr als 200 Hotels. Zum Glück ist es zu dieser Jahreszeit vergleichsweise ruhig und nicht sehr voll. Auch Muhsin besitzt ein kleines Cave Hotel (Höhlenhotel), in dem er wohnt und im Winter Couchsurfer aufnimmt. So haben wir hier den grossen Luxus eines eigenen Zimmers mit grossem Doppelbett und eigenem Badezimmer. Von hier aus wandern und klettern wir viel in den Taelern und verbringen die Abende mit Muhsin, Okhan und ihrem Kumpel Mustafa. Zusammen haben wir gegrillt, Billard gespielt, haben im Höhlenwohnzimmer im Hotel gemütlich Zeit verbracht, einen Film geguckt und Karten gespielt, haben mittags lecker zusammen gefrühstückt und sind mit Muhsin zusammen durch die Täler gewandert, wo er uns mehrere Höhlen und Tunnel etwas abseits der beliebteren Orte zeigte. Ein Highlight war der Morgen, wo wir früh aufgestanden sind um den Sonnenaufgang zu sehen. Denn zu dieser Stunde sind hier jeden Morgen viele Heißluftballons unterwegs, was einen wunderschönen Anblick bietet.

Wir haben hier in Göreme nun schon drei Naechte verbracht. Morgen wollen wir weiter reisen in Richtung Norden zum Schwarzen Meer.

Auf der Suche nach dem richtigen Weg.

Kannst du Noemi sehen?

Das ist die Höhle, in der wir unser Zelt aufgeschlagen haben. Sie hat 4 Stockwerke und mehr als 12 Raeume, die miteinander verbunden sind.

Billardspielen mit Mustafa und Muhsin.

Göreme vorm Sonnenaufgang.

Muhsin wartet aufs Frühstück.

Muhsin: ´Mustafa, wir haben Hunger´, nachdem wir durchs Rose und Red Valley gewandert sind. Es dauerte nicht mehr als 10 Minuten bis Mustafa mit einem Lunchpacket (Çiğköfte und Wasser) für uns angefahren kam. Beeindruckend.

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Weiter Richtung Osten.

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Nach der schönen Zeit mit Soner, Inci und Tibet war unser nächstes Ziel die Stadt Bilecik. Dort durften wir bei Hakan, einem Bekannten der drei, unterkommen. Wie Hakan uns schon vorher geschrieben hatte, erwartete uns dort eine Überraschung. Als wir ihn im Stadtzentrum trafen, fuhren wir zu einem Restaurant, wo ein mit türkischen Spezialitäten reichlich gedeckter Tisch für uns bereitet war. Außerdem war die Presse zugegen sowie MitarbeiterInnen der Stadt Bilecik (Rathaus), die uns Geschenke überreichten und Fotos für einen Zeitungsartikel über uns machten (diesen findet man auf http://www.bilecikolay.com/mobil/haber/16283/almanyadan-gelen-bisikletlilere-bilecikin-yoresel-urunleri-ikram-edildi.html). Wirklich sehr überrascht von den Ereignissen freuten wir uns über das Wilkommengeheißenwerden und das leckere Essen. Hakan erzählte, dass er schon über 300 Radfahrer beherbergt hat und sich in der Stadt viel für Radfahrer und Fahrradfahren engagiert, eine Trainingsgruppe leitet und auch an Schulen geht, um Radfahren populärer zu machen und Verkehrsregeln zu erklären. Die Nacht durften wir in dem Gebäude einer kleinen Fußballarena verbringen, da Hakan neben seinen vielen anderen Jobs dort Hausmeister war. Auf der oberen Etage gab es eine Dachterrasse mit schöner Aussicht und einen Raum zum Schlafen. Da es in dem Gebäude nur kalte Duschen gab, hatte Hakan organisiert, dass wir bei Vildan und Ilknur (Bekannte von ihm) duschen durften. Mit den beiden hatten wir einen sehr schönen und lustigen Abend und wurden auch noch lecker von ihnen bekocht! Ein weiterer Job Hakans war das Anleiten von Bustouren für Touristen zu nahegelegenen Sehenswürdigkeiten und historischen Stätten des osmanischen Reiches. Spontan lud er uns ein, am nächsten Tag dazuzustoßen. Bei schönem sonnigen Wetter besichtigten wir mehrere Orte, Gräber, Moscheen und ein Museum und erhielten dazu auf türkisch viele Hintergrundinformationen 🙂 Hakan stellte sicher, dass wir vor unserer Abreise viele türkische Spezialitäten kosteten, wie die Getränke Boza und Salep oder die Suppe Ezurgelin. Da an unserem Abreisetag nochmal dieselbe Bustour stattfand und der Bus einige Kilometer in Richtung Eskişehir fuhr, was unser nächstes Ziel war, luden wir kurzerhand Gepäck und Fahrräder in den Gepäckraum des Busses und legten so einige Kilometer schneller als gedacht zurück. Dabei besichtigten wir einige der historischen Orte noch ein zweites Mal.

Wiederum waren wir zwei Tage unterwegs, bevor wir in der lebendigen Studentenstadt Eskişehir ankamen. Zwischendurch zelteten wir am Feldrand neben ein paar Walnussbäumen und zum ersten Mal merkten wir die Kälte im Schlafsack (trotz viel Kleidung). Über Fahrradfahrbekanntschaften von Hakan hatten wir in der Zwischenzeit Kontakt zu Ali und seiner Familie in Eskişehir aufgenommen, die uns einluden, bei sich unterzukommen. Dort verbrachten wir ein paar ziemlich schöne Tage und schlossen sie sehr ins Herz samt ihrer sympathischen und sehr verrückten Katze. Alis Eltern hatten unglaublich viel Geduld, mit uns zu kommunizieren (mit unseren paar wenigen Wörtern türkisch und ein bisschen Englisch) und wir lachten viel zusammen. Alis Mutter kochte die leckersten Gerichte und Ali zeigte uns schöne Bars und Cafes, von denen es so viele gab. Echt eine schöne Stadt, in der wir uns direkt wohlfühlten. Was noch ein lustiger Zufall ist, Ali macht gerade seinen Doktor in Archäologie und kennt über Ecken und seine Vorlesungen Noemis Tante Alice 🙂 Einen Tag fuhren wir mit dem Zug nach Ankara, um Wintereinkäufe zu erledigen. Handschuhe, wärmere Schlafsäcke, Daunenjacken, Mützen und warme Socken. Wir hofften, alles besorgen zu können, um Ankara dann auszulassen (wegen dem vielen Verkehr) und direkt weiter nach Kappadokien zu fahren. Leider gelang es uns nicht die Schlafsäcke zu besorgen, da sie erst bestellt werden mussten. Bei dieser Gelegenheit hatten wir jedoch mal das Zugfahren in der Türkei ausprobiert. Dies scheint strukturierter und geordneter zu sein als in Deutschland. Man muss seine Tickets, um sicher zu sein am besten einen Tag vorher kaufen, dabei muss man einen Sitzplatz buchen und es gibt eine Sitzordnung: Männer neben Männern und Frauen neben Frauen. Wir konnten bei einigen Zügen nicht mitfahren, da es nur noch freie Plätzr neben Männern gab. Mit Ali unternahmen wir noch eine Fahrradtour bei bestem Wetter in der schönen Umgebung von Eskişehir. 

Um dem Ankarer Verkehr zu entgehen und auch um unsere 90 Tage Türkei-Aufenthalt gut einhalten zu können, entschieden wir uns, die rund 200 km von Eskişehir nach Ankara mit dem Bus zurückzulegen. Wir hatten viele schöne Tage in Istanbul, Iznik und Eskişehir verbracht (mehr als erwartet) und die Hälfte unserer Türkei-Zeit ist nun schon vorbei. Bis zur georgischen Grenzen sind es über Kapadokien noch etwa 1300 km ab Ankara. Nachdem wir noch mit Alis Vater einen schönen Vormittag verbracht hatten und Menemen (eine Art Omelette) gemacht hatten, machten wir uns auf den Weg zum Busbahnhof. Dort herschte eine Atmosphäre wie auf einem Basar, da Mitarbeiter von gefühlt 30 Busunternehmen, uns überreden wollten, Tickets bei ihnen zu kaufen. Glücklicherweise hatte uns Ali vorher beraten, welches Unternehmen fahrradfreundlich ist. Für die Fahrt mussten wir die Vorderräder abnehmen und natürlich die ganzen Taschen (das ist auch immer bei Sicherheitsschleusen der Fall). Im Bus gab es Getränke und Snacks wie im Flugzeug und jeder hatte einen eigenen Bildschirm mit Filmen, Spielen oder Fernsehen. Angekommen in Ankara bauten wir die zum Glück heilgebliebenen Räder wieder zusammen, beluden sie und machten uns auf den Weg zu unseren warmshower-Gastgebern Can und Petek. Mit den beiden verbrachten wir ein paar schöne Tage in Ankara. Can zeigte uns die Altstadt und die Burg, von der man einen schönen Ausblick auf diese große Stadt hat. Er half uns sehr dabei, unsere Schlafsäcke zu besorgen, verhandelte für uns im Outdoorladen und in der Post, wo wir unsere alten Schlafsäcke zurückschickten. Mit ihm fuhren wir mit dem Fahrrad in rasantem Tempo durch die Stadt – im Zickzack durch den trubeligen Verkehr. Genau wie Ali war Can eine Riesenhilfe, da wir sprachlich einige Sachen gar nicht so gut regeln könnten. Mit Can und Petek (die super lecker für uns kochte) saßen wir Abends noch immer lange zusammen und erzählten. Am Abend vor unserem Abreisetag trafen wir Ali noch kurz am Bahnhof, der zu einer Vorlesung nach Ankara gefahren war und nun auf den Zug zurück wartete.

Nun besser für den Winter ausgerüstet, brachen wir zusammen mit Can auf, der uns noch die ersten 20 km begleitete. Nach einem Abschiedstee (cay), von dem wir so viel die letzten Tage getrunken hatten, trennten sich unsere Wege. Die erste Nacht im Zelt waren wir schön warm und freuten uns über unsere warmen Schlafsäcke! Die nächste Nacht verbrachten wir nicht im Zelt, sondern in einer kleinen Moschee auf einer Raststätte. Das hatten uns die Tankstellenmitarbeiter empfohlen. Bei fast jeder Tankstelle gibt es einen Gebetsraum oder sogar eine Moschee. Für Frauen gibt es einen abgetrennten Bereich, in diesem Fall das obere Stockwerk. Also bauten wir Isomatten und Schlafsäcke auf und machten es uns bequem. Unser Schlaf war ein wenig unruhig, da einige Moscheebesucher in der Nacht (aber nur im unteren Bereich) vorbeischauten um zu beten und dabei teilweise auch sangen. Unsere Fahrräder durfen wir im benachbarten Restaurant abstellen. Da wir auf dem Weg nach Kappadokien einer Art Bundesstraße folgen, machen wir oft bei Tankstellen oder Raststätten Pause. Schon mehrere Male wurde wir von Mitarbeitern einfach mit Cay oder Kaffee versorgt. Die folgende Nacht schlugen wir unser Zelt bei einer Raststätte direkt beim Salzsee (Tuz Gölü) auf  und konnten so das Bad benutzen, hatten Wasser und Strom. Die Landschaft besteht hier meist so weit das Auge reicht aus abgeernteten Feldern und Hügeln am Horizont. Bäume gibt es jedoch kaum, sodass es gar nicht so leicht ist, einen guten und etwas versteckten Zeltplatz zu finden und daher neben oder hinter einer Tankstelle oft der best getarnteste Ort ist. Zwei Tage lang war es herbstlich grau, windig und teilweise auch nass. Dann kam glücklicherweise dis Sonne wieder zum Vorschein. Es ist schön wieder unterwegs zu sein und wir sind sehr froh über unsere warmen Sachen. Die haben sich bis jetzt gut bewaehrt. Nach einer Nacht hinter der Ruine einer ehemaligen Raststaette erreichten wir bei schönem Wetter die Stadt Aksaray und unseren Gastgeber Turgay. Dort wurden wir sofort nett empfangen. Wir haben mit ihn und spaeter auch mit seinem Kumpel Gürkan zusammen Tischtennis gespielt (in dem riesigen Wohnzimmer) bevor wir uns spaeter Landkarten von Kappadokien, der Türkei und schliesslich auch von Georgien, Aserbaidschan und Iran anguckten. Dabei wurden uns noch viele sehenswerte Orte empfohlen.

Unser Zuhause in Bilecik. 
Auf der Dachterasse in Bilecik.
Ich will hier raus. 6 Stunden Touri Tour auf Türkisch. 
Irgendwo zwischen Bilecik und Eskişehir. Laura studiert. 
Das einzige wovor Alis verrückte Katze Angst hat. 
Ankunft in Ankara. 
Markt in der Altstadt in Ankara.
Der Herbst kommt. 
Von der Altstadt in die Neustadt in Ankara.
Ein Treffen mit Ali am Bahnhof in Ankara. 
Strassenkatzen in Ankara. 

Mit unseren Gastgebern Petek, Can und Şemistan in Ankara. 
Polizeiattrappen sind überall. 

Zelten bei einer Tankstelle am Salzsee (Tuz Gölü). 
Auf der E90 nach Aksaray. 
Mit unserem Gastgeber Turgay und seinem Kumpel Gürkan in Aksaray. 
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Herbst.

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Schon am Tag unserer Abreise aus Istanbul machten sich bei Noemi erste Erkaeltungsanzeichen bemerkbar, die sich dann in den naechsten Tagen verstaerkten. Wie uns der Radladen empfohlen hatte, nahmen wir die Faehre von Yenikapı nach Yalova, um dem vielen Verkehr zu entgehen. Wir brachen erst nachmittags von Philipps und Ankes Wohnung auf und beobachteten waehrend der etwa anderthalbstündigen Schiffsfahrt einen schönen Sonnenuntergang. Als wir drüben ankamen war es schon dunkel und wir hofften möglichst bald einen Zeltplatz  finden zu können. Als wir schon etwas ausserhalb der Stadt waren, fragten wir bei einem Haus, ob es in Ordnung waere unser Zelt auf der Wiese daneben aufzubauen. Dort hatten wir jedoch Pech, denn die Frau war nicht so freundlich (wie uns andere Verwandte von ihr spaeter sagten) und meinte wir sollten weiter fahren. Ein Neffe von ihr zeigte uns dann jedoch einen anderen Platz in der Naehe seines eigenen Hauses. Als wir dort unser Zelt fast aufgebaut hatten, kam seine Familie aus dem Haus und bestand darauf, dass wir bei ihnen im Haus schlafen sollten. Sie sagten, dass sie sonst vor Sorge um uns nicht schlafen könnten. Kurze Zeit spaeter sassen wir also im Familienwohnzimmer, wo bestimmt 7 oder 8 Verwandte und Freunde waren und wurden mit Essen versorgt. Als es dann Zeit für uns war zu duschen, schickte die Mutter der Familie alle Maenner (das waren alle ausser ihr und uns) wahrscheinlich aus Diskretionsgründen aus dem Haus. Überrascht, dass wegen uns kurzerhand die ganze Familie vor die Tür in die Kaelte gesetzt wurde, beeilten wir uns mit dem Duschen. Die Mutter bestand spaeter darauf, dass wir in ihrem Bett schliefen, und sie selbst auf dem Boden! Wir wollten das Angebot nicht annehmen, doch wir erklaerten vergebens dass wir gerne auf unseren Isomatten oder einem Sofa schlafen könnten. Am naechsten Morgen standen wir zusammen mit ihr früh auf – sie ging zur Arbeit und wir fuhren weiter.

Die Weiterfahrt war einerseits erkaeltungsbedingt aber auch dadurch beschwerlich, dass wir uns nun in den ‚Türkischen Alpen‘ befanden und es kilometerlang hoch ging. Nach einiger Zeit fasste sich ein vorbeifahrender Autofahrer das Herz, stoppte und lud uns samt Raedern und Gepaeck ins Auto. Durch Teamwork und gut ausgepraegte Tetriskünste gelang es uns am Ende alles in dem kleinen Bus unterzubringen. Durch die kurze Fahrt im Auto gelangten wir um einiges schneller an das Ufer des Iznik-Sees, wo wir uns einen Zeltplatz zwischen den Olivenbaeumen suchten. Zum ersten Mal sahen in unserem Leben sahen wir hier auch Granatapfel- und Kiwibaeume. Von einem vorbeifahrendem Traktor bekamen wir Obst und Gemüse geschenkt. Vor Sonnenuntergang bauten wir das Zelt auf, da es nachts jetzt schon immer ziemlich kühl wird, waehrend es tagsüber meist eine angenehme Temperatur von um die 20 Grad gibt. Im Zelt war uns glücklicherweise nicht kalt. Den naechsten Tag begingen wir langsam, denn bis zu unserem Ziel (Iznik) war es nicht mehr weit. Dort dürfen wir bei Soner und seiner Familie übernachten, die wir über warmshowers – so etwas wie couchsurfing nur für Radfahrer – kontaktiert hatten. Da Soner an diesem Tag selbst eine Radtour um den See unternahm und Pech hatte (er hatte 4einhalb mal (!) einen Platten), begegneten wir ihm bereits unterwegs und konnten ihm sogar das eine Mal mit unserem Werkzeug aushelfen.

Zuhause wurden wir schon von Inci und ihrem Sohn Tibet erwartet. Die drei sind in der Türkei in der Radfahrerwelt berühmt als eine der einzigen (oder sogar einzigste) Familie die grosse Radtouren unternimmt. Die drei waren schon fast in ganz Europa und Russland unterwegs, Inci und Soner sind schonmal von der Türkei nach Nepal gefahren und haben drei Bücher über ihre Abenteuer geschrieben. Sie nahmen uns sehr freundlich auf und eines der ersten Dinge, die sie sagten war, ‚unser Haus ist euer Haus‘. Als Radfahrer können sie sich sehr gut in uns hineinversetzen und klaerten gleich die wichtigsten Sachen: Gepaeck und Raeder kommen hier hin, die Dusche ist oben, wollt ihr die Waschmaschine benutzen? Es war für uns so ein Glück, gerade jetzt so liebe Gastgeber zu haben, wo wir Zeit zum auskurieren dringend nötig hatten. Denn dort angekommen, erwischte die Erkaeltung auch Laura. Nach diesem eher suboptimalen Start unserer Weiterfahrt aus Istanbul, ging uns immer mal wieder unsere Neuseelandidee durch den Kopf. Aber wir wollen es zunaechst noch einmal angehen weiterzufahren.

Wir verbrachten also eine ganze, gemütliche Woche bei den dreien, assen lecker zusammen, gingen am See spazieren oder sassen dort abends, um den Sonnenuntergang anzusehen, machten einen Filmabend und gingen einen Abend zusammen mit Inci und Soner zu einem Event des Rotary-Clubs in Bursa. Dieser sponsort die beiden naemlich und sie waren da, um eine Praesentation über ihre Reisen zu halten. Der Abend fand in einem schicken Hotel statt und es gab dort Abendessen. Es wurde extra für uns übersetzt und als Gaeste des Clubs erhielten wir als Geschenk einen eigenen Pinienbaum, der in der Türkei zur Aufforstung gepflanzt wird. Einigermassen wieder gesund werden wir morgen weiter in Richtung Kappadokien aufbrechen.

Das Haus der Familie bei Yalova, die uns für eine Nacht beherbergt haben.

 

Auf dem Weg von Yalova nach Iznik. 
Iznik See. 
Am Strand mit Tibet, Soner und Inci. 
Nicht so einfach. 
Zusammen mit Soner und Inci in Bursa.
Unser Dolmetscher beim Rotary Club. 
Der Praesident der Rotarier überreichte uns die Urkunden mit den Baeumen, die unsere Namen tragen werden. 

 

 

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