Zurück zum Content

Rolling East Posts

Istanbul und Winterpläne.

English

Unsere erste Nacht zelteten wir direkt bei den Klippen am schwarzen Meer und gingen am nächsten Morgen an einem Strand einige Kilometer weiter schwimmen. Bei wunderschönem Wetter fuhren wir teilweise direkt am Wasser entlang und später eine Weile auf einer sehr befahrenen Straße. Ab dem Moment, wo wir das schwarze Meer verließen, um zum Grenzübergang in die Türkei ins Landesinnere zu fahren, ging es bergauf, da dieser auf 650 m liegt. An der Grenze angekommen, warteten wir etwa zwei Stunden, da aufgrund eines Stromausfalls die Pässe nicht kontrolliert werden konnten. Dann ging alles ganz schnell und mit Stempel im Pass fuhren wir unsere ersten Kilometer in die Türkei.
Schon in den ersten Tagen durften wir die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Menschen hier erleben. Oft passierte es, dass einfach mitten auf der Straße ein Auto neben uns anhielt und der Fahrer uns gekühltes Wasser, Limonade oder Eistee herausreichte. Machten wir Pause in einem kleinen Ort, kamen die Anwohner, oft mit mehreren Familienmitgliedern und brachten uns etwas zu trinken oder luden uns direkt auf einen Kaffee oder Tee zu sich ein, auch wenn wir uns sprachlich meist kaum verständigen konnten. Wir hatten es uns gerade im Schatten eines Hauses in Emirali bequem gemacht, um eine Pause zu machen, als auf einmal Elvin und ihre Mutter Nergis um die Ecke kamen. Sie wohnten nämlich in den Haus und schon saßen wir bei ihnen im Wohnzimmer und lernten Bünyamin und den Vater Ahmet kennen. Kurz nach dem Kaffee wurde uns Essen und eine Dusche angeboten und ehe wir uns versahen, war schon geplant, dass wir für die Nacht blieben. Elvin und Bünyamin freuten sich sehr und später spielten wir zusammen Fußball im Hof. Wir unterhielten uns mithilfe von Google Translate und mit Nergis ein wenig auf Englisch. Auch diese Begegnung schien sich genau in einem Moment ergeben zu haben, wo wir es brauchten. Denn nach fast drei Wochen wild campen, war die warme Dusche und ein Bett ein Riesengeschenk.
Ein anderes Mal hatte ein Mann beobachtet, wie Laura das letzte Wasser aus unserem Wasserkanister in unsere Trinkflaschen umfüllte. Wenige Minuten später kam er aus dem Supermarkt, vor dem wir eine Pause machten und stellte einen neu gekauften Kanister vor uns hin. Dann ging er zum Bäcker und besorgte noch zwei warme Sesamringe (Simit) und gab sie uns.
Einen Tag machten wir in einem Palettencafe Pause, also einem Café, auf dessen großem Gelände viele aus Paletten gebaute Möbel standen. Nachdem wir gefragt hatten, ob es Kaffee gab, bestellten wir einen und setzten uns als einzige Gäste hin. Wir sind uns nicht sicher, ob es wirklich Kaffee gab, denn in der Zwischenzeit fuhr der Kellner dreimal mit seinem Roller weg und brachte uns dann anschließend Kaffee und Kekse. Zum Abschied schenkte er uns seine Gebetskette.
Der Tag wird durch die Rufe des Muezzin strukturiert, die man weithin hört. Wenn wir vor einer Stadt zelteten, hörte man die Rufe verschiedener Muezzine durcheinander. Eines Abends, als wir auf einer Kreuzung am Rande eines Dorfes standen, und überlegten, in welcher Richtung wir am besten einen  Zeltplatz finden können, hielt ein Mann neben uns und gab uns zu verstehen, wir sollen in die eine Richtung (in die wir fahren wollten) nicht fahren und dass wir eben 5 Minuten warten sollten. Einige Minuten später kam Büsra auf uns zu und gab uns fürsorglich und energisch zugleich aber vor allem mit viel Lachen zu verstehen, dass wir auf gar keinen Fall in diese Richtung weiterfahren sollten. Sie schlug noch mehr die Hände über dem Kopf zusammen, als sie von unserer Reise hörte und dass wir meistens zelteten. Sie entschied also, dass wir erstmal mit zu ihr nach Hause kommen sollten, um Obst aus dem Garten zu essen. Dort lernten wir ihre Großeltern, ihren Onkel und ihre Eltern kennen und sie beschlossen uns bei sich einzuquartieren. Wieder kommunizierten wir mit Google translate, was manchmal zu lustigen Missverständnissen führte. So wissen wir nicht genau, ob Büsra durch den Mann an der Kreuzung von uns gehört hatte oder es sich schon anderweitig rumgesprochen hatte, dass zwei Fremde im Dorf sind. Obwohl wir keine gemeinsame Sprache hatten, hatten wir alle großen Spaß und es wurde viel gelacht. Am nächsten Morgen vergewisserten sie sich, dass wir genug Frühstück aßen, gaben uns noch Feigen, Äpfel und Birnen aus dem Garten mit und begleiteten uns bis zu einer anderen Straße, die nach Istanbul führte. Wie auch bei Nergis und Ahmet mussten wir versprechen, noch einmal vorbeizukommen.
Die Einfahrt nach Istanbul war die bisher verkehrsreichste Erfahrung, die wir auf dem Fahrrad erlebt haben. Mit 15 – 20 Millionen Einwohnern und einer Ausdehnung von 100 km an der Küste und 50 km den Bosporus hoch, ist Istanbul eine der größten Städte der Welt. Die Straße nach Istanbul rein war teilweise 6-spurig und als wir dann in den Feierabendverkehr reinkamen, mussten wir die Straße verlassen, da es nicht mehr vorwärts ging. Ansonsten ist der Verkehr chaotisch und schnell und es wird viel gehupt. Müde aber froh kamen wir abends bei Philipp und Anke an, die uns freundlich empfingen und halfen Gepäck und Fahrräder in ihre Wohnung zu transportieren. Die Wohnung liegt sehr zentral auf der europäischen Seite Istanbuls, ist total schön und erstreckt sich über zwei Etagen. Auf der dritten Etage ist eine Dachterrasse, auf der wir oft zusammen zum Essen und vor allem unglaublich leckerem türkisch-iranischem Frühstück saßen. Von dort hat man einen tollen Ausblick auf das Wasser. Die Stadt ist gigantisch groß, unglaublich trubelig mit chaotischem Verkehr. Wir wohnen hier in einem sehr hippen und gemütlichen Viertel, wo total viele Katzen zuhause sind. Die Katzen kann man aber kaum als ‚Straßenkatzen‘ bezeichnen, da meistens die gesamte Nachbarschaft sich um die Katzen, die ihr Revier dort haben kümmert: es gibt kleine Häuschen für de Katzen, Geld wird zusammengelegt um sie zu füttern und zu impfen, und im Winter werden sie auch oft in die Häuser der Menschen aufgenommen.
Unsere Ankunft liegt nun zwei Wochen zurück und wir sind noch immer da. An unserem zweiten Tag kam nämlich die Nachricht von Lauras Eltern, dass sie spontan und überraschend für eine Woche in Istanbul Urlaub machen würden. Das war ein schönes Wiedersehen nach mehreren Monaten! Zusammen unternahmen wir viel in Istanbul, fuhren zu den Prinzeninseln, sahen die Hagia Sophia und die Blaue Moschee, spazierten über den Großen Basar, wo wir uns ein wenig im Handeln ausprobierten, aßen leckeres Essen und genossen die gemeinsame Zeit sehr. Wie immer verbrachten wir natürlich viel Zeit im Fahrradladen, zu dem wir insgesamt dreimal hinreisten – der Laden lag nämlich auf der asiatischen Seite es dauerte mit Fähre, Bus und zu Fuß meist 1-2 Stunden um hin- oder zurückzukommen. Jetzt sind unsere Räder wieder in Top-Form und bereit für neue Abenteuer.
Ein großer Teil unseres Aufenthalts hier beschäftigten wir uns mit der Planung der Weiterreise. Da wir jetzt viel später als ursprünglich gedacht in Istanbul angekommen sind, macht sich der Herbst bereits durch kältere Temperaturen (hier noch nicht, aber im Osten der Türkei), Regen und immer kürzere Tage bemerkbar. Im Fahrradladen hatten wir einige Tipps bekommen welche Routen sich gut mit dem Fahrrad fahren lassen – vor allem auch um möglichst verkehrsfrei wieder aus der Stadt herauszukommen. Um herauszufinden, auf welchen Routen wir den kalten Temperaturen noch möglichst lange vermeiden können, studierten wir zusammen mit Philipp und Anke Klimatabellen, Höhenprofile und Zuglinien, auf die man notfalls ausweichen kann.
Mehrere Tage lang hatten wir die verlockende Idee im Kopf, einfach der Sonne und dem Sommer hinterher, nach Neuseeland zu reisen und dort radzufahren und auch mal wieder eine Weile an einem Ort wohnen zu können und zu arbeiten und dadurch Geld für die Weiterreise zu verdienen. Von dort könnten wir uns Nepal von der anderen Seite nähern. Auch die Grenzen zwischen China und Indien sind zur Zeit dicht, wodurch unsere Reise nach Nepal auf dem Landweg enorm erschwert würde. Ein Flugticket würde in etwa so viel kosten, wie wir in bessere Winterausrüstung (Schlafsäcke und Daunenjacken) investieren müssten. Nachdem wir soweit waren, dass wir sogar ein Visum für Neuseeland beantragt hatten, wurde uns bewusst, dass uns unsere ursprüngliche Idee so sehr ans Herz gewachsen war, dass wir zunächst erstmal so wie gedacht durch die Türkei in Richtung Georgien weiterreisen. Die Wettervorhersagen für die nächsten zwei Wochen sind auch noch sehr gut und wir planen, dann einen Winterzwischenstopp in Georgien (etwa 2000 km von hier) einzulegen. Sollten wir jedoch unterwegs   wetter- oder kältebedingt oder in irgendeiner Form an unsere Grenzen kommen, werden wir uns etwas einfallen lassen und vielleicht dann unsere Neuseelandidee realisieren (das Visum ist ein Jahr nach Beantragung gültig).
Wir haben ein Riesenglück, dass wir unsere Zeit in Istanbul und unsere Entscheidungszeit bei so lieben Gastgebern wie Philipp und Anke verbringen durften, die vom ersten Tag an wie selbstverständlich ihr zuhause mit uns teilten und uns in Überlegungen und Planungen unterstützten. Mittlerweile haben wir durch sie einige tolle Istanbuler Frühstücks-Cafés kennengelernt, viele spannende Gespräche geführt und waren einen Abend bei schöner traditioneller Musik in einem Café in der Nähe.
Dankbar für die Begegnung und schöne und intensive Zeit in Istanbul, machen wir uns nun nach zwei Wochen weiter auf den Weg in Richtung Georgien.
Am Schwarzen Meer.
Kurze Badepause im Meer.
Zeit zum denken.
Der Blick von unserem Zeltplatz auf den Klippen.
Und so ging es in der Türkei tagelang.
Von dieser Familie wurden wir eingeladen.

Frühstück mit unseren Gastgebern.

Mit dem Fahrrad auf einer 6 spurigen Straße in das Herz Istanbuls.

Der Blick von der Dachterrasse.

Unser neuer Nachbar.

Überraschungsbesuch von Lauras Eltern!

 

 

2 Comments

Wie versprochen.

English

Wie versprochen sind hier Bilder aus Serbien, Rumänien und Bulgarien, die wir jetzt mit dem Computer hochladen konnten 🙂

Mountain Boarding in Novi Sad.

Lauras erstes Lagerfeuer. 
Unser letzter Zeltplatz in Serbien direkt an der Donau. 

Der Bremer Schlüssel auf den Feldern von Rumänien. Diese Nacht campten wir mit Awat, der das Bier mitbrachte. 

Unsere Gastgeber in Rumänien. 

3000 km Feier auf dem verlassenem Camping Platz. 
Sonnenblumenkerne frisch vom Feld. 

Laura fühlt sich nicht gut. 
Hindernisse überwinden. 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Bis zum Schwarzen Meer.

English

Der Grenzübergang nach Rumänien fühlte sich ein wenig abrupt an. Auf dieser Seite der Donau erwartete uns eine viel stärker befahrene Strasse als auf der serbischen Seite. Ziemlich direkt nach dem Grenzübergang trafen wir Awat, der von aus London nach Istanbul unterwegs war. Mit ihm tranken wir einen Saft zusammen und erzählten, bevor sich unsere Wege wieder trennten. Diese sollten sich jedoch in den nächsten Tagen immer wieder kreuzen. Auch Rumäniens streunende Hunde, von denen wir schon auf anderen Blogs gelesen hatten, begegneten uns gleich am ersten Tag. Es wird einem geraten, möglichst abzusteigen, laut zu rufen, und einen Stock oder Steine zur Hand zu haben. Schon die Imitation eines Steinwurfs reicht meist aus, um die Hunde abzuschrecken. Streckenweise fuhren wir also immer mit einem Stein in der Hand und kamen mit ein paar Schreckmomenten, aber unbeschadet davon. Durch diese ersten Eindrücke vermissten wir Serbien anfangs umso mehr. Nach der Grenze steuerten wir die nächstgroße Stadt an, um dort knapp 5kg unserer Sachen zurück nach Berlin zu schicken. In Serbien hatten wir nämlich, inspiriert von einigen Anstiegen, einen Hausputz gemacht und aussortiert. Mit der Übersetzungshilfe einiger Passanten in der Post und der Bastelkünste der Postangestellten, wurden unsere Sachen gut verstaut und wir fuhren erleichtert weiter. Es war schon recht spät geworden an unserem ersten Tag in Rumänien und die Zeltplatzsuche gestaltete sich nicht so einfach wie erhofft. Als wir dann nach Auskunft bei Leuten fragten, wurden wir mit der Hilfe einiger herbeigeholter Nachbarn in den Garten einer Familie einquartiert.

Die zweite Nacht campten wir zusammen mit Awat auf einem Feld und konnten in der Nacht einen wunderschönen Sternenhimmel sehen. In Rumänien scheint es noch mehr Pferdekutschen als in Serbien zu geben. Was total schön ist, dass man Menschen in den Orten sieht, durch die man fährt. Fast jeder hat eine Bank vor seinem Haus stehen, und die Leute sitzen dort alleine, in Gruppen, sprechen miteinander, beobachten das Straßengeschehen, essen Sonnenblumenkerne und winken und lächeln sehr freundlich, wenn man vorbeifährt. Oft machten wir auf einigen dieser Bänke Pause. Die dritte Nacht zelteten wir auf dem Gelände eines Campingplatzes, der nicht mehr genutzt wurde. Was sich später herausstellte war, dass der Platz von einigen Hunderudeln bewohnt war, die sich oft versuchten zu nähern, die wir aber mit vereinten Kräften und vor allem dank Lauras Einsatz gut von unserem Zelt fernhalten konnten und die sich insgesamt glücklicherweise recht friedlich verhielten.

Am nächsten Morgen ging es weiter und wir kauften einige Lebensmittel im nächsten Ort, in dem chaotisch-trubelig das Leben tobte: die ganze Stadt war voller Menschen, die Besorgungen machten, durcheinander riefen, viele Fahrzeuge und Kutschen, die die Strassen verstopften. Ein Gegensatz zu der sonst eher gemütlichen Atmosphäre in den Dörfern. Ein wenig später begegnete uns jemand, der Ausländern nicht freundlich eingestellt war und daher etwas unfreundlich auftrat. Nach diesem Erlebnis, schien es jedoch, als wollte das Schicksal es wieder gut machen. Im nächsten Ort, wo wir Pause machten, schenkte uns jemand, der uns sah, Eis und Limonade. Abends, als wir an einer der Wasserpumpen in der Ortschaft Orlea, vergeblich versuchten, Wasser abzufüllen, da beide Pumpen, leider kaputt waren, kam ein älterer Mann vorbei und gab uns zu verstehen, dass wir eben mitkommen sollten und bei ihm Wasser auffüllen konnten. Dort angekommen wurden uns zunächst von ihm und seiner Frau Niza Kaffee und Limonade angeboten und Verwandte und Bekannte kontaktiert, die ein wenig Deutsch sprachen. Denn mit den beiden konnten wir uns bis auf Zeichen nicht weiter verständigen. Als dann ihr Sohn Constantin und später die Cousine Marianna kamen, übersetzten sie uns, dass wir gerne ein wenig bleiben können, um uns auszuruhen. Überrascht und dankbar für diese Gastfreundschaft, wurden insgesamt drei Tage aus der Begegnung an der Wasserpumpe. Wir wurden super lieb versorgt mit leckerem und vor allem selbstgemachtem bzw. -angebautem Essen, durften in einem der Gästezimmer schlafen, wurden von Constantin auf ein Fest im Dorf anlässlich des „Geburtstages von Rumänien“ mitgenommen, zur „Terrasse“ vor dem Supermarkt des Ortes, die eine Art Kneipe ist, gingen mit ihm und seinem Bruder Gigi zur Afterparty einer Hochzeit, von wo aus wir mit anderen Hochzeitsgästen einen kurzen Ausflug an die Donau und eine römische Ausgrabungsstätte unternahmen. Wir waren sehr beeindruckt von dem Selbstversorgersein, dem grossen Garten, den Tieren, die überall im Hof herumliefen. Erholt und mit frisch aufgefülltem Wasser machten wir uns wieder auf den Weg.

Nach wenigen Tagen erreichten wir Giurgiu, wo wir die Grenze nach Ruse (Bulgarien) passierten. Da wir erst recht spät drüben ankamen und es eine Weile dauerte, bis wir Geld getauscht hatten und aus dem Grenzbereich draußen waren, bauten wir das Zelt schliesslich in in der Nähe eines Ortes an der Donau in einem kleinen Waldstück auf. Am nächsten Tag feierten wir bei schönem Wetter Noemis 24. Geburtstag mit einem Kuchen, leckerem Essen und einigen Überraschungs-Geburtstagsvideos von Familie und Freunden.

So langsam merkt man, dass der Sommer vorrübergeht. Trotz der fast täglichen 30 Grad, wird es nachts immer kälter, die Blätter fallen von den Bäumen und die Tage werden kürzer. Wir sind seit Rumänien schon eine Zeitzone weiter als Deutschland, dennoch wird es immer früher dunkel. Aber es wird tendenziell hoffentlich weniger Mücken geben 🙂

Am nächsten Tag trafen wir den Radfahrer Kalle aus Hamburg, mit dem wir eine schöne Pause verbrachten. Und dann trennten sich nach fast zwei Monaten unsere Wege mit der Donau, der wir seit Linz gefolgt waren. Genau wie in Serbien und Rumänien sieht man hier oft Hirten mit ihren Schaf-, Ziegen-, oder Kuhherden durch die Wiesen ziehen. So kam auch eine Herde Schafe an einem unserer Zeltplätze direkt vorbei gelaufen. Andere Nächte verbrachten wir in der Nähe von Eseln oder auf einem wenig gebrauchten Fußballplatz. 

Am folgenden Morgen stellte sich heraus, dass uns etwas den Magen verdorben haben musste. So gingen wir für ein paar Tage das Radfahren und den Alltag recht ruhig an, bis es uns wieder besser ging. Am Tag wo wir aufbrachen, um ein wenig weiter zu fahren, stoppten wir in der Terasse vor einem kleinen Supermarkt, um einen Saft zu trinken. Nikolai, der Ladenbesitzer hatte extra für uns aufgemacht, obwohl eigentlich Mittagspause war. So kamen wir ein wenig, mehr mit Händen und Füssen ins Gespräch und erzählten von unserer Tour. Nikolai war sehr herzlich und lachte viel und gab uns noch reichlich Picknick, unter anderem frische Mandeln, die wir noch knacken müssen, mit auf den Weg. Nach dieser schönen Begegnung erreichten wir wenige Tage später Burgas und dann in Sozopol (dem wahrscheinlich touristischen Ort Bulgariens) das Schwarze Meer!

Wir werden nun für einige Kilometer der Küste folgen und dann ins Landesinnere zum Grenzübergang in die Türkei fahren und von dort weiter Richtung Istanbul. Dort werden wir bereits von den Couchsurfern Philipp und Anke erwartet, bei denen wir für einige Tage bleiben dürfen. Istanbul wird ein strategisch wichtiger Zwischenstopp, wo wir uns für kältere Temperaturen rüsten und die Fahrräder auf Vordermann bringen wollen.

 

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Добродошли у Србију – Welcome to Serbia

English

 

Der Grenzübergang verlief problemlos und ohne lange Wartereihen vor denen uns einige gewarnt hatten. Ob wir uns, wie das Auswaertige Amt schreibt, innerhalb von 24 Stunden bei der Polizei registrieren muessen, konnten wir aufgrund einer fehlenden gemeinsamen Sprache nicht in Erfahrung bringen.

Und schon ist man in einem anderen Land. Viele super schöne Haeuser, die oft kaputt oder verfallen sind, eine Pferdekutsche, die für den Transport eingesetzt wird, kleine Katzen und Hunde, und viele sehr nette und hilfsbereite Menschen erwarteten uns. Einige von ihnen erzählten uns auch trotz Sprachbarriere einen Schwank aus ihrem Leben, auch nachdem wir ihnen deutlich gemacht hatten, dass wir leider nichts verstehen. In den Dörfern und kleinen Städten gibt es meistens mehrere kleine und wie es scheint private Supermärkte. Diese bestehen oftmals nur aus einem  kleinen  Raum, dessen Regale bis zur Decke vollgepackt sind mit vielen Dingen. Nur in grösseren Städten wie Novi Sad oder Belgrad sahen wir Läden, die wir kannten. Es fühlte sich ein wenig schade an, die ungarischen Woerter, die wir gelernt hatten, jetzt nicht mehr gebrauchen zu koennen. Geld (Dinar) hatten wir noch keines umgetauscht oder abgehoben, als wir zum ersten Laden kamen. Kartenzahlung war dort nicht möglich, aber der hilfsbereite Postbote (der hier einfach mit Privatfahrrad und in zivil unterwegs war), wechselte uns Euros in Dinare um. Eine Schokolade die wir kauften schmeckte so anders als erwartet, dass wir sie einen älteren Mann schenkten. Dem bereiteten wir damit eine solche Freude, dass er  noch öfters während wir dort eine Pause machten, lachend und winkend auf seinem Fahrrad an und  vorbeifuhr. Gefühlt an jeder Ecke gibt es hier Stände, wo Wasser- und Honigmelonen verkauft werden, so wie in Deutschland Erdbeeren und Spargel. Oft dient einfach die Ladefläche eines Transporters oder Anhängers als Stand. Die Ortsschilder sind meist in lateinischen und kyrillischen Buchstaben geschrieben, sodass wir direkt beim Fahren das Alphabet ein wenig lernen konnten. Was auch neu war, dass viele vorbeifahrende Leute hupten – und zwar nicht, weil sie sich ärgerten oder wir im Weg waren, sondern, und das ist vor allem zu für Berliner schwer zu verstehen und gewöhnungsbedürftig und man ist zunächst sehr misstrauisch, aus positiven Gründen, wie Freude, zur Motivation oder um Hallo zu sagen.

Auf dem Fahrrad ist man automatisch Teil einer grossen Fahrrad-Community – man grüßt sich, hielft sich bei Pannen aus, gibt sich high-fives, kommt schnell ins Gespräch miteinander und faert ein Stück zusammen. Kurz bevor wir Novi Sad erreichten, lernten wir auf diese Weise Boba und seine Tochter Iva kennen, die in der Naehe von Novi Sad, in Petrovaradin wohnten. Sie begleiteten uns ein Stück, um uns den richtigen Weg zu zeigen. Boba war von unserer Tour ganz begeistert, und lud uns zum Mittag bei sich Zuhause ein. Er meinte auch direkt, dass wir uns bestimmt über eine Dusche freuen würden und gerne auch unsere Sachen waschen könnten, da er sich vorstellen konnte, dass wir uns nach 8 Tagen wild campen sicher darüber freuen würden. Bei ihm zuhause lernten wir seine Frau Tanja und die weiteren Kinder Anja und Strahinja kennen und wurden mit Eis und Wassermelone und Kaffee verwöhnt. Sie luden uns ein, ein paar Tage zu bleiben. Ihr Haus war an vielen Stellen  total schön  gestaltet durch Tanjas selbstbemalte Bilder und Fliesen und die von Boba gestalteten Bäder. Am Abend fuhren wir alle zusammen mit dem Auto zum Baden zu einem wunderschönen See in der Nähe. Die Nacht durften wir in dem Kinderzimmer verbringen, die Hitze machte das Schlafen ein wenig schwer.

Wir verbrachten einige total schöne Tage bei Boba und Tanja, es gab  viele Pfannkuchen, wir unternahmen eine kleine Radtour mit den Kindern zu einer Burg in der Nähe, lernten Plazmakekse kennen – die kann man lecker mit Milch essen und man kann Plazma auch direkt als Pulver kaufen und in Milch einrühren :D, wir machten eine kleine Wanderung in einem Wald und fuhren morgens mit Boba zu seinem Mountainboard-Track. Das ist eine Sportart, ähnlich wie Snowboarding, wobei man Berge hinunterfährt, nur dass das Board wie ein Skateboard aussieht mit etwas größeren Rädern und man das fast das ganze Jahr über machen kann. Boba und Freunde von ihm haben diesen Track selbst gebaut und haben dort schonmal die Mountainboard Weltmeisterschaft organisiert. Im nächsten Jahr wird sie vielleicht nochmal dort stattfinden – wenn es klappt kommen wir gerne vorbei! Wir durften es auch mal ausprobieren und können es sehr empfehlen. Vielleicht eine neue Sportart für uns nach der Reise 🙂 aus einem mysteriösen Grund, war eines Morgens alle Luft aus Noemis Reifen verschwunden. Boba half, alles zu fixen und organisierte uns einen neuen 15er Schlüssel, da unserer kaputt gegangen war. Mit Anja lernten wir ein paar neue serbische Wörter und kyrillische Buchstaben kennen. Noemi sollte ihr direkt etwas vorlesen, sollte aber wie Anja (3 Jahre alt) meinte lieber nochmal zur Schule gehen und richtig lesen und sprechen lernen. Dane, ein Freund kam vorbei, machte ein Feuer und kochte darauf in einem Kessel Gulasch, was mehrere Stunden dauerte. Am letzten Tag fuhren wir alle zusammen in die Stadt, aßen Eis und Popcorn (das es hier an jeder Ecke frisch zu kaufen gibt) und hatten eine schöne Zeit zusammen. Der Abschied fiel uns nicht leicht. Sehr dankbar und mit Plazma für die nächsten Tage versorgt, machten wir uns wieder auf den Weg.

Zwei Tage später erreichten wir Belgrad. Direkt bei unserer Ankunft trafen wir Alex, der uns Semun (einen sehr schönen Teil der Stadt) zeigte und genau wie wir auf dem Weg zu der Insel mitten in der Stadt war. Er ging dorthin zum schwimmen und Volleyball spielen, wir hofften dort einen Platz zum Zelten finden zu können. Das besondere an der Insel ist, dass sie nur im Juli und August über eine Brücke erreichbar ist. In der Zeit wird sie von vielen besucht: es gibt einen großen Strand, Duschen, Trinkwasser und Platz zum Zelten. Unsere Zeltnachbarn erzählten, dass sie jeden Sommer für diese zwei Monate dort wohnten. Wir hatten großes Glück mit ihnen, sie versorgten uns am nächsten Morgen mit Frühstück und sagten direkt, dass wir zum Mittagessen vorbeikommen müssen, da sie ein leckeres serbisches Bohnengericht kochen wollten. Auch sie machten ein Feuer und kochten mehrere Stunden lang. Wir waren an diesem Tag via Couchsurfing mit Monika verabredet. Sie wohnt ein bisschen außerhalb und kam für den Tag in die Stadt um den Tag mit uns zu verbringen. Zufälligerweise arbeitete ihr Vater auf der Insel und wir unternahmen eine Bootstour um die Insel mit Kollegen von ihm, Monika’s Freund Jovan und ihrer Freundin Kate. Vom Wasser aus sahen wir viele Hausboote, viel Grün und eine Festung. Abends gingen wir zusammen mit Monika zum Bierfest, was ein riesiges gratis Openairfestival ist. Erst spät gelangten wir zurück zu unserer Insel. Eigentlich ist die Insel nur zwischen 8-20 Uhr betretbar und wird rund um die Uhr von einigen Soldaten betreut, weil dort ein militärisches Übungsgelände ist. Dank guter nachbarschschaftlicher connections und dem Fakt das wir da momentan wohnen, durften wir auch zu der späten Stunde noch zurück auf die Insel.

Von Belgrad an folgten wir der Donau und trafen das erste mal seit langem auf andere Langtouren-Radfahrer. Laura machte ihr erstes Lagerfeuer; und als einmal unsere Wasservorräte alle waren, schenkte uns jemand eine Flasche Wasser. Später stand eine Donauüberquerung mit einer Fähre an, die wir ohne den Fahrplan zu kennen, genau im richtigen Moment erreichten. Eine regnerische Nacht brachte dann endlich mal wieder eine kleine Abkühlung. Am nächsten Tag hörte der Regen auf und wir konnten alles trocknen lassen, während wir wirklich ausgesprochen leckeres Gebäck von einer Bäckerei in Golubac genossen. Kurz hinter Golubac trafen wir auf Gregor, Oskar und David, drei gut gelaunte Österreicher, die ebenfalls in Richtung des schwarzen Meeres unterwegs waren. Wir fuhren den Nachmittag zusammen und beschlossen gemeinsam zu campen und zu kochen. So hatten wir einen sehr geselligen Abend mit den dreien und saßen noch eine Weile an einem Lagerfeuer, das leider bald gelöscht werden musste. In unseren letzten Tagen in Serbien passierten wir das sogenannte „Eiserne Tor“, was viele als den allerschönsten Abschnitt der Donau bezeichnen. Bei einer wirklich traumhaften Landschaft, folgten wir der Straße, die uns durch eine bergige Landschaft, auch seit langem mal wieder längere Strecken bergauf und durch viele Tunnel führte. Da pünktlich zu dieser schönen Landschaft das Kameraakku alle war und wir daher leider nur mit dem Handy fotografieren  konnten, solltet ihr euch das Eiserne Tor am besten mal persönlich anschauen 😉 Diese Nacht zelteten wir an einem schönen Stand, wo es auch Duschen gab. Am nächsten Tag beschlossen wir recht spontan, doch nicht direkt nach Bulgarien, sondern zuerst nach Rumänien rüber zu fahren. Die letzten Kilometer in Serbien radelten wir gemeinsam mit Bernd und Margrit, bevor wir dann die Grenze passierten.

 

Bobas Mountainboard Strecke.
Auf der Insel in Belgrad.
1 Kommentar