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Schnee und Palmen. 

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Von Ünye aus fuhren wir die angenehm ebene Straße direkt am Meer entlang. Hier war eine ganz andere Natur als wir die Tage und Wochen zuvor gesehen hatten. Es gab Palmen und vor allem viel saftiges Grün! Die Schwarzmeergegend ist bekannt für Tee und (Hasel)Nüsse, die hier angebaut werden. Die Küste ist recht dicht bebaut, aber die Aussichten sind schön: im Vordergrund das Meer, dahinter grüne Hügel und ganz im Hintergund die mit Schnee bedeckten Berge. Ein Problem an Noemis Rohloff löste Laura heldenhaft, sodass wir nicht – wie schon kurz befürchtet – noch einmal nach Istanbul zurückmussten (denn der nächste Rohloffstützpunkt befindet sich in Bangkok).

Zwischen Fatsa und Ordu gibt es eine Halbinsel, an deren Spitze das kleine Dorf Yason liegt. Dort wiederum an der Spitze gibt es eine Kirche, einen Leuchtturm und ein kleines gemütliches Cafe. Das hatten uns Can und Petek aus Ankara empfohlen und gesagt, dass es dort einen sehr leckeren Haselnussnachtisch gibt und wir dort möglicherweise auch zelten können. Als wir dort ankamen, war es bereits kalt und dunkel und wir beschlossen uns zunächst im Cafe aufzuwärmen und etwas zu essen. Zelten war gar kein Problem, aber wir sollten nicht direkt beim Cafe sondern ein kleines Stueck weiter raus bei der Kirche aufbauen. Als wir schon im Zelt lagen, kam ein nächtlicher Halbinselbesucher an dem sonst sehr einsamen Ort vorbei, bei dem wir uns kurz vorstellten bevor er weiterging. Etwa eine halbe Stunde später hoerten wir weiteren Besuch ankommen und wir sahen, dass es sich um die Polizei (Jandarma) handelte. Nach einem kurzen Hin und Her meinten die drei, es wäre zu gefährlich dort zu zelten und wir sollten abbauen und sie würden uns zu einem Hotel fahren. Es dauerte (natürlich) länger als 5 Minuten (wie sich das die Polizistin gewünscht hatte), um alles abzubauen und einzupacken. Dann wurden wir samt Fahrrädern und Gepäck tetrismäßig im Polizeiauto untergebracht und begleiteten sie auf ihrer nächtlichen Streife bis zu einem Hotel in Perşembe. Ein Glueck lag das auch in der Richtung, in die wir am naechsten Tag fahren wollten. Ob es wirklich gefährlich war, oder sie, wie die meisten, denen wir begegnen, finden, dass es für zwei Frauen generell zu gefährlich zum Zelten ist, wissen wir nicht. Letztendlich waren wir ihnen jedoch sehr dankbar, da es später in der Nacht begann in Strömen zu regnen. Am nächsten Tag war das Wetter nicht anders und wurde im Laufe des Tages nur noch schlechter und so beschlossen wir spontan einfach einen gemütlichen Pausetag einzulegen und noch eine zweite Nacht dort zu bleiben 🙂 

Da das Wetter vor allem hier an der Küste immer ungewiss ist, suchten wir uns für die naechsten Tage Gastgeber über Couchsurfing oder Warmshowers. Die Fahrbedingungen entlang der Küste sind sehr gut: es gibt aphaltierte Strassen, meist mit Glück gutes Wetter und vor allem so gut wie keine Hügel. So fuhren wir an zwei Tagen mehr als 200 km (und stellten einen neuen Tagesrekord von 110 km auf 🙂 ). Relativ haeufig fuhren wir durch Tunnel, was auf dem Rad manchmal gar nicht so angenehm ist. Sie sind zwar im Gegensatz zu anderen Tunneln auf unsere Reise beleuchtet, aber es ist ziemlich laut und die Autos fahren manchmal zu dicht vorbei, da es in den Tunneln enger ist. In Espiye warteten wir auf unseren Gastgeber Emre in einem kleinen Cafe. Dort kamen wir mit den netten Mitarbeitern ins Gespraech, und eine von ihnen (Ferda) haette uns am liebsten direkt zu sich nach Hause eingeladen. Mit Emre und seinem Freund Haluk assen wir zu Abend, spielten zusammen und hatten in der Nacht eine ganze Wohnung für uns, da Emre und Haluk bei ihren Familien übernachteten. Am naechsten Morgen besuchten wir noch einmal das Cafe und lernten noch Ferdas kleine Schwester und ihren Vater kennen und wurden dort sehr herzlich aufgenommen und mit Picknick für den Weg versorgt. Von Espiye aus fuhren wir weiter nach Trabzon zu Tuğçe und Davut, bei denen wir super lecker bekocht wurden und einen Pausetag einlegten, um uns auszuruhen. Zusammen mit Tuğçe schauten wir uns Trabzon ein wenig an. Weiter ging es dann nach Rize, wo wir in Burak, Sözer, Mustafa, Şamil und Huseyins Studenten-WG unterkommen durften. Zusammen sind die fuenf wie eine kleine Familie zueinander und kuemmerten sich geradzu entzueckend um uns. Das wurde auch nochmal besonders deutlich, als Samil wegen seines Blinddarmes ins Krankenhaus musste. Immer war einer seiner Freunde bei ihm, damit er nicht alleine war. Fuer ein paar Tage fuehlten wir uns wie zu Hause und wurden zu Mitbewohnern und Freunden. Zusammen auch mit ihrem Freund Emre unternahmen wir viele schoene Dinge: wir assen ganz besonderen Milchreis (sutlac), besuchten ein Museum und Teecafes, die eine besonders schoene Aussicht hatten, besichtigten einen Lernort fuer Kinder (ausserhalb der Schule), wo sie alle als Freiwillige arbeiteten, spazierten durch Rize und spielten viel abends. Die Abreise fiel uns fast so schwer wie noch nie. Reich beschenkt und mit einem Lunchpaket fuer unterwegs versorgt, machten wir uns traurig ueber den Abschied, aber gluecklich ueber diese besondere schoene Zeit wieder auf den Weg.

In Rize waren wir oefters mit Minibussen untergwes gewesen, die nicht viel groesser als ein grosses Familienauto in unglaublichem Tempo und mit moeglichst hoher zeitlicher Effizienz unterwegs sind. Halten tut der Bus eigentlich nie, es ist nur eben Zeit rein und rauszusteigen. Das Bezahlen wird waehrend der Fahrt geregelt, wobei Geld und Rueckgeld oft durch viele Haende zum Busfahere nach vorne durchgereicht werden. Das Stoppen erfolgt nach Bedarf, da es keine festen Stationen gibt, muss man an der gwuenschten Stelle dem Fahrer bescheidgeben.

Der naechste Ort nach Rize heisst Findikli, was uebersetzt (mit)Haselnuss bedeutet. Dort wohnten wir fuer zwei Naechte bei Melih und seiner Familie. Ganz begeistert waren wir von ihrem schoenen Garten mit unglaublicher Aussicht auf die schneebedeckten Berge, Teepflanzen und Haselnussbaeume. Die Familie hat Tee, Nuesse, Kiwis und Khakifruechte aus eigener Ernte. Weiter ging es nach Kemalpasa, das direkt an der Grenze zu Georgien liegt. Mit unserem Gastgeber Yener ging es mit Minibus und per Anhalter hoch in die Berge, wo wir einen besonderen See (Karagoel) besuchen wollten. Die letzten sechs Kilometer mussten wir zu Fuss gehen, da die Strasse voller Schnee war. Leider mussten wir vorzeitig umkehren, da es schon dunkel wurde. An unserem Abreisemorgen waren wir noch bei einer befreundeten Familie von ihm zum Fruehstueck eingeladen. Dann packten wir und machten uns vorbei an langen LKW-Schlangen auf den Weg zur Grenze. Das fuehlte sich nun nach so langer Zeit komisch an, die Tuerkei wieder zu verlassen. In den fast drei Monaten, die wir hier gewesen waren, hatten wir viel gesehen, erlebt und gelernt und alles war uns ein wenig vertraut geworden.

Durch die Grenze kamen wir, da wir weder Fussgaenger, Auto noch LKW waren, gluecklicherweise sehr schnell und ohne in der Schlange zu warten. Bis nach Batumi, dem sogenannten Las Vegas des Schwarzen Meers, fuhren wir nur eine knappe Stunde von der Grenze aus und genossen dabei die Aussicht auf das Meer und den Sonnenuntergang. Von unserer Gastgeberin von Couchsurfing hatten wir leider nicht mehr zurueckgehoert, sodass wir uns dann ein Hostel suchten. Mit vereinten Kraeften halfen uns die Hostelmitarbeiter, Raeder und Gepaeck nach oben in den dritten Stock zu bringen. In Batumi wollen wir nun planen, auf welchem Weg wir am besten nach Tbilisi (Tiflis) kommen, wo wir vorhaben eine Winterpause einzulegen.

Auf der Halbinsel war es ruhig und es gab wenig Verkehr.

Die Aussicht von der Halbinsel.

Bei unserem Spaziergang durch Trabzon.

Unterwegs mit Tugce in Trabzon.

Trabzon.

Unser erster Abend in Rize.

Samil nach seiner Operation im Krankenhaus.

Soezer und Hueseyin spielen zusammen in einem Team. Den beiden faellt es schwer sich zu einigen.

Uns zu verabschieden fiel uns nicht leicht.

Die Aussicht von Melihs Haus in Findikli.

Trauben aus Melihs Garten./ Grapes from Melihs garden.

Per Anhalter fahren macht muede. Im LKW mit Yener auf dem Weg zum Karagoel.

Teepause bei einem Freund von Yener.

Ab hier ging es dann zu Fuss weiter.

Unser erster Sonnenuntergang in Georgia.

Fahrradweg in Batumi.

Noemi ist geschafft.

 

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