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Weiter Richtung Osten.

English

Nach der schönen Zeit mit Soner, Inci und Tibet war unser nächstes Ziel die Stadt Bilecik. Dort durften wir bei Hakan, einem Bekannten der drei, unterkommen. Wie Hakan uns schon vorher geschrieben hatte, erwartete uns dort eine Überraschung. Als wir ihn im Stadtzentrum trafen, fuhren wir zu einem Restaurant, wo ein mit türkischen Spezialitäten reichlich gedeckter Tisch für uns bereitet war. Außerdem war die Presse zugegen sowie MitarbeiterInnen der Stadt Bilecik (Rathaus), die uns Geschenke überreichten und Fotos für einen Zeitungsartikel über uns machten (diesen findet man auf http://www.bilecikolay.com/mobil/haber/16283/almanyadan-gelen-bisikletlilere-bilecikin-yoresel-urunleri-ikram-edildi.html). Wirklich sehr überrascht von den Ereignissen freuten wir uns über das Wilkommengeheißenwerden und das leckere Essen. Hakan erzählte, dass er schon über 300 Radfahrer beherbergt hat und sich in der Stadt viel für Radfahrer und Fahrradfahren engagiert, eine Trainingsgruppe leitet und auch an Schulen geht, um Radfahren populärer zu machen und Verkehrsregeln zu erklären. Die Nacht durften wir in dem Gebäude einer kleinen Fußballarena verbringen, da Hakan neben seinen vielen anderen Jobs dort Hausmeister war. Auf der oberen Etage gab es eine Dachterrasse mit schöner Aussicht und einen Raum zum Schlafen. Da es in dem Gebäude nur kalte Duschen gab, hatte Hakan organisiert, dass wir bei Vildan und Ilknur (Bekannte von ihm) duschen durften. Mit den beiden hatten wir einen sehr schönen und lustigen Abend und wurden auch noch lecker von ihnen bekocht! Ein weiterer Job Hakans war das Anleiten von Bustouren für Touristen zu nahegelegenen Sehenswürdigkeiten und historischen Stätten des osmanischen Reiches. Spontan lud er uns ein, am nächsten Tag dazuzustoßen. Bei schönem sonnigen Wetter besichtigten wir mehrere Orte, Gräber, Moscheen und ein Museum und erhielten dazu auf türkisch viele Hintergrundinformationen 🙂 Hakan stellte sicher, dass wir vor unserer Abreise viele türkische Spezialitäten kosteten, wie die Getränke Boza und Salep oder die Suppe Ezurgelin. Da an unserem Abreisetag nochmal dieselbe Bustour stattfand und der Bus einige Kilometer in Richtung Eskişehir fuhr, was unser nächstes Ziel war, luden wir kurzerhand Gepäck und Fahrräder in den Gepäckraum des Busses und legten so einige Kilometer schneller als gedacht zurück. Dabei besichtigten wir einige der historischen Orte noch ein zweites Mal.

Wiederum waren wir zwei Tage unterwegs, bevor wir in der lebendigen Studentenstadt Eskişehir ankamen. Zwischendurch zelteten wir am Feldrand neben ein paar Walnussbäumen und zum ersten Mal merkten wir die Kälte im Schlafsack (trotz viel Kleidung). Über Fahrradfahrbekanntschaften von Hakan hatten wir in der Zwischenzeit Kontakt zu Ali und seiner Familie in Eskişehir aufgenommen, die uns einluden, bei sich unterzukommen. Dort verbrachten wir ein paar ziemlich schöne Tage und schlossen sie sehr ins Herz samt ihrer sympathischen und sehr verrückten Katze. Alis Eltern hatten unglaublich viel Geduld, mit uns zu kommunizieren (mit unseren paar wenigen Wörtern türkisch und ein bisschen Englisch) und wir lachten viel zusammen. Alis Mutter kochte die leckersten Gerichte und Ali zeigte uns schöne Bars und Cafes, von denen es so viele gab. Echt eine schöne Stadt, in der wir uns direkt wohlfühlten. Was noch ein lustiger Zufall ist, Ali macht gerade seinen Doktor in Archäologie und kennt über Ecken und seine Vorlesungen Noemis Tante Alice 🙂 Einen Tag fuhren wir mit dem Zug nach Ankara, um Wintereinkäufe zu erledigen. Handschuhe, wärmere Schlafsäcke, Daunenjacken, Mützen und warme Socken. Wir hofften, alles besorgen zu können, um Ankara dann auszulassen (wegen dem vielen Verkehr) und direkt weiter nach Kappadokien zu fahren. Leider gelang es uns nicht die Schlafsäcke zu besorgen, da sie erst bestellt werden mussten. Bei dieser Gelegenheit hatten wir jedoch mal das Zugfahren in der Türkei ausprobiert. Dies scheint strukturierter und geordneter zu sein als in Deutschland. Man muss seine Tickets, um sicher zu sein am besten einen Tag vorher kaufen, dabei muss man einen Sitzplatz buchen und es gibt eine Sitzordnung: Männer neben Männern und Frauen neben Frauen. Wir konnten bei einigen Zügen nicht mitfahren, da es nur noch freie Plätzr neben Männern gab. Mit Ali unternahmen wir noch eine Fahrradtour bei bestem Wetter in der schönen Umgebung von Eskişehir. 

Um dem Ankarer Verkehr zu entgehen und auch um unsere 90 Tage Türkei-Aufenthalt gut einhalten zu können, entschieden wir uns, die rund 200 km von Eskişehir nach Ankara mit dem Bus zurückzulegen. Wir hatten viele schöne Tage in Istanbul, Iznik und Eskişehir verbracht (mehr als erwartet) und die Hälfte unserer Türkei-Zeit ist nun schon vorbei. Bis zur georgischen Grenzen sind es über Kapadokien noch etwa 1300 km ab Ankara. Nachdem wir noch mit Alis Vater einen schönen Vormittag verbracht hatten und Menemen (eine Art Omelette) gemacht hatten, machten wir uns auf den Weg zum Busbahnhof. Dort herschte eine Atmosphäre wie auf einem Basar, da Mitarbeiter von gefühlt 30 Busunternehmen, uns überreden wollten, Tickets bei ihnen zu kaufen. Glücklicherweise hatte uns Ali vorher beraten, welches Unternehmen fahrradfreundlich ist. Für die Fahrt mussten wir die Vorderräder abnehmen und natürlich die ganzen Taschen (das ist auch immer bei Sicherheitsschleusen der Fall). Im Bus gab es Getränke und Snacks wie im Flugzeug und jeder hatte einen eigenen Bildschirm mit Filmen, Spielen oder Fernsehen. Angekommen in Ankara bauten wir die zum Glück heilgebliebenen Räder wieder zusammen, beluden sie und machten uns auf den Weg zu unseren warmshower-Gastgebern Can und Petek. Mit den beiden verbrachten wir ein paar schöne Tage in Ankara. Can zeigte uns die Altstadt und die Burg, von der man einen schönen Ausblick auf diese große Stadt hat. Er half uns sehr dabei, unsere Schlafsäcke zu besorgen, verhandelte für uns im Outdoorladen und in der Post, wo wir unsere alten Schlafsäcke zurückschickten. Mit ihm fuhren wir mit dem Fahrrad in rasantem Tempo durch die Stadt – im Zickzack durch den trubeligen Verkehr. Genau wie Ali war Can eine Riesenhilfe, da wir sprachlich einige Sachen gar nicht so gut regeln könnten. Mit Can und Petek (die super lecker für uns kochte) saßen wir Abends noch immer lange zusammen und erzählten. Am Abend vor unserem Abreisetag trafen wir Ali noch kurz am Bahnhof, der zu einer Vorlesung nach Ankara gefahren war und nun auf den Zug zurück wartete.

Nun besser für den Winter ausgerüstet, brachen wir zusammen mit Can auf, der uns noch die ersten 20 km begleitete. Nach einem Abschiedstee (cay), von dem wir so viel die letzten Tage getrunken hatten, trennten sich unsere Wege. Die erste Nacht im Zelt waren wir schön warm und freuten uns über unsere warmen Schlafsäcke! Die nächste Nacht verbrachten wir nicht im Zelt, sondern in einer kleinen Moschee auf einer Raststätte. Das hatten uns die Tankstellenmitarbeiter empfohlen. Bei fast jeder Tankstelle gibt es einen Gebetsraum oder sogar eine Moschee. Für Frauen gibt es einen abgetrennten Bereich, in diesem Fall das obere Stockwerk. Also bauten wir Isomatten und Schlafsäcke auf und machten es uns bequem. Unser Schlaf war ein wenig unruhig, da einige Moscheebesucher in der Nacht (aber nur im unteren Bereich) vorbeischauten um zu beten und dabei teilweise auch sangen. Unsere Fahrräder durfen wir im benachbarten Restaurant abstellen. Da wir auf dem Weg nach Kappadokien einer Art Bundesstraße folgen, machen wir oft bei Tankstellen oder Raststätten Pause. Schon mehrere Male wurde wir von Mitarbeitern einfach mit Cay oder Kaffee versorgt. Die folgende Nacht schlugen wir unser Zelt bei einer Raststätte direkt beim Salzsee (Tuz Gölü) auf  und konnten so das Bad benutzen, hatten Wasser und Strom. Die Landschaft besteht hier meist so weit das Auge reicht aus abgeernteten Feldern und Hügeln am Horizont. Bäume gibt es jedoch kaum, sodass es gar nicht so leicht ist, einen guten und etwas versteckten Zeltplatz zu finden und daher neben oder hinter einer Tankstelle oft der best getarnteste Ort ist. Zwei Tage lang war es herbstlich grau, windig und teilweise auch nass. Dann kam glücklicherweise dis Sonne wieder zum Vorschein. Es ist schön wieder unterwegs zu sein und wir sind sehr froh über unsere warmen Sachen. Die haben sich bis jetzt gut bewaehrt. Nach einer Nacht hinter der Ruine einer ehemaligen Raststaette erreichten wir bei schönem Wetter die Stadt Aksaray und unseren Gastgeber Turgay. Dort wurden wir sofort nett empfangen. Wir haben mit ihn und spaeter auch mit seinem Kumpel Gürkan zusammen Tischtennis gespielt (in dem riesigen Wohnzimmer) bevor wir uns spaeter Landkarten von Kappadokien, der Türkei und schliesslich auch von Georgien, Aserbaidschan und Iran anguckten. Dabei wurden uns noch viele sehenswerte Orte empfohlen.

Unser Zuhause in Bilecik. 
Auf der Dachterasse in Bilecik.
Ich will hier raus. 6 Stunden Touri Tour auf Türkisch. 
Irgendwo zwischen Bilecik und Eskişehir. Laura studiert. 
Das einzige wovor Alis verrückte Katze Angst hat. 
Ankunft in Ankara. 
Markt in der Altstadt in Ankara.
Der Herbst kommt. 
Von der Altstadt in die Neustadt in Ankara.
Ein Treffen mit Ali am Bahnhof in Ankara. 
Strassenkatzen in Ankara. 

Mit unseren Gastgebern Petek, Can und Şemistan in Ankara. 
Polizeiattrappen sind überall. 

Zelten bei einer Tankstelle am Salzsee (Tuz Gölü). 
Auf der E90 nach Aksaray. 
Mit unserem Gastgeber Turgay und seinem Kumpel Gürkan in Aksaray. 
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